Radlogistik 2026: Branche tritt auf der Stelle – aber gibt nicht auf

Branchenreport Radlogistik @Radlogistikverband Deutschland e. V.
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Der Radlogistikverband Deutschland (RLVD) hat seinen Branchenreport 2026 veröffentlicht – und die Botschaft ist nüchtern: Nach Jahren des Wachstums hat das Ökosystem Radlogistik im vergangenen Jahr nur eine „rote Null“ eingefahren. Stagnation statt Boom. Und doch zeigt der Blick hinter die Zahlen, dass die Branche stabiler dasteht, als die Schlagzeile vermuten lässt.

Was bedeutet „rote Null“ konkret?

Das Ökosystem Radlogistik umfasst laut Report 2026 insgesamt 258 identifizierte Institutionen – Unternehmen, Hersteller und öffentliche Einrichtungen. Die drei tragenden Säulen sind operative Radlogistiker (107 Unternehmen), Hersteller von Lastenrädern und Zubehör (64 Unternehmen) sowie ein Dienstleistungsnetzwerk aus Handel, Service und Beratung (75 Unternehmen). Ergänzt werden sie durch 12 Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen.

 

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der operativen Radlogistiker leicht gesunken (von 112 auf 107), was auf eine laufende Konsolidierung hindeutet. Die Herstellerseite hingegen ist um 8 % gewachsen – ein Signal dafür, dass das Interesse an der Technologie und an neuen Fahrzeugkonzepten weiter anhält.


Der Umsatz: Stabil bei knapp 190 Millionen Euro

Der Gesamtumsatz im Ökosystem liegt bei 189,5 Millionen Euro – nahezu identisch mit dem Vorjahr. Was sich dabei leicht relativiert: Über die letzten fünf Jahre hat sich der Umsatz um satte 149 % erhöht. Die Branche ist also nicht geschrumpft, sie hat sich nach einer langen Wachstumsphase schlicht stabilisiert.

 

Der Ausblick bleibt positiv: 90 % der befragten Unternehmen rechnen für 2026 mit mindestens einer konstanten Umsatzentwicklung, 54 % sogar mit einem Zuwachs. Das mittlere erwartete Jahreswachstum für die nächsten fünf Jahre liegt bei 14 %.


Beschäftigung: Mehr als verdoppelt seit 2020

Aktuell sind rund 5486 Menschen in der Radlogistik beschäftigt – seit 2020 ein Wachstum von 111 %. Auch wenn die Zahl im Vergleich zum Rekordjahr 2024 (6071 Beschäftigte) leicht zurückgegangen ist, bleibt der Arbeitsmarkt robust. 46 % der Unternehmen planen, ihre Belegschaft konstant zu halten, 35 % wollen sogar wachsen. Nur 15 % rechnen mit einem Stellenabbau.

 

Bemerkenswert: Radlogistik ermöglicht es Menschen, ohne Führerschein in der Logistik zu arbeiten – und ist damit ein relevanter Integrationsfaktor auf dem Arbeitsmarkt, für Migrantinnen und Migranten ebenso wie für viele andere Personengruppen.


Produktion: Knapp 37.000 Lastenräder und Anhänger

Für das Jahr 2025 wurden rund 36.900 Lastenräder und Anhänger produziert – ein Wert, der nahezu stabil gegenüber 2023 (37.650 Einheiten) ist. Der Elektroanteil dominiert klar: 79 % der verkauften Fahrzeuge sind Pedelecs (bis 250 Watt, 25 km/h). Deutschland bleibt der stärkste Absatzmarkt, aber 43 % der Hersteller exportieren – vorwiegend in europäische Nachbarländer wie Belgien, die Niederlande, Frankreich, Österreich und die Schweiz. Neu hinzugekommen sind die USA als relevanter außereuropäischer Markt.


Klimaschutz: 1.400 Tonnen CO₂ eingespart

2025 wurden in Deutschland schätzungsweise 5,4 Millionen Kilometer mit Lastenrädern in logistischen Transportdienstleistungen zurückgelegt. Das entspricht einer CO₂-Einsparung von rund 1.400 Tonnen. Seit 2020 hat sich diese Einsparung um 249 % erhöht – also mehr als verdreifacht. Auch wenn der Wert gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken ist, bleibt der langfristige Trend beeindruckend.

Hinzu kommt: Kein einziger tödlicher Unfall wurde im Kontext der Lastenradnutzung verzeichnet – zum zweiten Mal in Folge. Ein starkes Argument für die Verkehrssicherheit dieser Logistikform.


Was die Branche von der Politik fordert

Die schlechte Wirtschaftslage macht sich bemerkbar: Nur 12 % der Befragten bewerten die aktuelle Wirtschaftslage als gut – vier Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Als Hemmschuhe nennen die Unternehmen fehlende Radverkehrsinfrastruktur, monetäre Fehlanreize zugunsten von Verbrennern und das Fehlen gezielter Fördermaßnahmen.

 

Konkret wünscht sich die Branche von der Politik unter anderem breitere, durchgehende Radwege, die auch für Commercial Cargo Bikes geeignet sind, Ladezonen und Micro-Hubs in Innenstädten, die Fortführung von Förderprogrammen für gewerbliche Lastenräder, einen klaren Rechtsrahmen, der den Fahrradstatus auch für schwerere Lastenräder erhält, sowie höhere CO₂-Preise und ein Ende von Subventionen für fossile Antriebe.

 

Commercial Cargo Bikes verbrauchen laut Report nur 10 % der Energie konventioneller Nutzfahrzeuge. Wer im Fuhrpark umstellt, spart sofort – an Kraftstoff, an Stauzeit, an Stress.


Fazit: Pause, kein Rückschritt

Der Radlogistik-Branchenreport 2026 zeigt eine Branche, die nach Jahren des Booms in eine Phase der Konsolidierung eingetreten ist – nicht aus Schwäche, sondern weil externe Faktoren wie die allgemein schlechte Wirtschaftslage und eine wenig unterstützende Verkehrspolitik bremsen. Das Fundament ist solide: Das Netzwerk wächst, die Technologie verbessert sich, die Klimabilanz stimmt, und die Unternehmen blicken mittelfristig optimistisch nach vorn.

Die Frage ist nicht, ob, sondern wie schnell die Politik die Weichen stellt, um dieses Potenzial zu heben.


 

Quelle: Radlogistik Branchenreport 2026, herausgegeben vom Radlogistikverband Deutschland e. V. (RLVD) in Kooperation mit der TH Wildau und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

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Branchenreport_2026_Rote Null für Radlo
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