Kilometerfressen ohne Rückendeckung: Christoph Strasser wagt das TCR-Abenteuer von Norwegen nach Griechenland

Copyright: Lex Karelly - Voller Fokus auf das TCR 2026
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Zwei Saisonsiege hat er dieses Jahr schon in der Tasche, jetzt folgt für Christoph Strasser das ganz dicke Brett im Kalender. Am 19. Juli rollt der Steirer an die Startlinie der zwölften Auflage des legendären Transcontinental Race (TCR). Es ist das prestigeträchtigste Unsupported-Rennen der Welt. Die Strecke führt vom norwegischen Trondheim quer durch Europa bis nach Kalamata in Griechenland. Satte 4800 Kilometer und rund 50 000 Höhenmeter stehen auf dem Programm – nackte Zahlen, die exakt dem Race Across America entsprechen. Nur, dass dieses Mal kein Betreuerteam im Auto hinterherfährt.

Auf sich allein gestellt durch den Kontinent

Für den sechsmaligen Race Across America-Sieger ist es bereits die fünfte Teilnahme beim TCR. Die Bilanz des 43-Jährigen ist beeindruckend: zwei Siege, ein zweiter und ein fünfter Platz im Vorjahr. Entsprechend motiviert geht er das Abenteuer an: „Mein Ziel ist es, so vorbereitet zu sein, dass ich bis zum Schluss um den Sieg mitfahren kann. Ich fühle mich aktuell besser als im vergangenen Jahr.

 

Mit den beiden Erfolgen zu Saisonbeginn habe ich viel Selbstvertrauen getankt. Trotzdem ist das Transcontinental Race kaum planbar – unterwegs kann einfach alles passieren“, sagt der Steirer aus Kraubath. Das Reglement ist gnadenlos: Begleitfahrzeuge oder externe Hilfe sind strikt verboten. Route, Verpflegung, Schlafplatz und technische Defekte müssen die Fahrer komplett eigenständig managen.

 

„Im Gegensatz zum Race Across America muss man hier jedes Problem allein lösen – egal ob Defekt, Navigation oder körperliche Schwierigkeiten. Man kann sich unmöglich auf alles vorbereiten, deshalb ist Improvisation ein ganz entscheidender Faktor“, erläutert Strasser.

 

Taktikpoker an den skandinavischen Fähren

Schon der Auftakt verspricht sportliche Härte. Nach dem ersten Checkpoint am Aurlandsfjord wartet der berühmte Rallarvegen – eine 70 Kilometer lange Schotterstraße – auf dem Weg in den Wintersportort Geilo. Danach wird der Weg durch Südnorwegen und Schweden zur strategischen Zerreißprobe, denn die richtige Fährverbindung nach Mitteleuropa entscheidet über wertvolle Zeit.

 

„Das sogenannte Ferry-Game wird heuer besonders spannend. Es gibt viele Möglichkeiten mit unterschiedlichen Häfen und Fahrplänen. Man muss konstant abwägen: Ist eine kürzere Strecke mit längerer Wartezeit besser oder ein Umweg ohne Aufenthalt?

 

Solche Entscheidungen können am Ende entscheidend sein.“ Über Tschechien, die slowakische Tatra, Ungarn und Kroatien geht es weiter nach Sarajevo, wo die Route mitten durch die historische Betonrinne der olympischen Bobbahn von 1984 führt. Über Albanien folgt schließlich das Finale auf dem griechischen Peloponnes bis zum Ziel in Kalamata.

 

Drei Stunden Schlaf und zwei Kilo Pulver

Die Logistik ist extrem minimalistisch. Strasser führt rund zwei Kilogramm Kohlenhydratpulver im Gepäck mit, den Rest der Verpflegung muss er sich in Supermärkten und Tankstellen zusammensuchen. Geplant sind rund drei Stunden Schlaf pro Nacht, vorzugsweise in festen Unterkünften – für den Notfall reist ein leichter Schlafsack mit. Neben der extremen Distanz wird das Wetter zum unberechenbaren Gegner. In den norwegischen Bergen auf über 1.500 Metern drohen selbst im Hochsommer Schnee, Regen und Frost, während in Südeuropa unbarmherzige Hitze auf die Athleten wartet. Die Konkurrenz schläft nicht: Neben dem TCR-Sieger von 2024, Robin Gemperle aus der Schweiz, stehen namhafte Dauerrivalen wie Jana Kesenheimer, Martin Moritz, Manuel Rudaz, Nicolas Châtelet und Robert Müller auf der Startliste.

 

Zusammenfassung

  • Event: Transcontinental Race (TCR) No. 12

  • Distanz/Höhenmeter: ca. 4800 km/ca. 50 000 hm

  • Start/Ziel: Trondheim (Norwegen)/Kalamata (Griechenland)

  • Starttermin: 19. Juli 2026

  • Verfolgung: GPS-Livetracking über die offizielle Event-Plattform, regelmäßige Updates via Social Media und im Podcast „Sitzfleisch“.

Ein solches Unsupported-Rennen ist die ehrlichste, aber auch brutalste Form des Radsports. Während beim Race Across America eine perfekt geölte Betreuungsmaschinerie den Athleten wie auf Schienen ins Ziel pusht, entscheidet beim TCR neben den Beinen vorwiegend die mentale Fähigkeit. Nachts um drei Uhr im strömenden Regen einen platten Reifen zu flicken oder die verpasste Fähre wegzustecken. Genau diese Unwägbarkeiten machen den Reiz aus. Strasser hat die Erfahrung und die Form – ob das reicht, um die junge, hungrige Konkurrenz auf den Schotterpässen Europas in Schach zu halten, entscheidet sich auf der Straße.

 

www.christophstrasser.at

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