Rekordfahrt am Neusiedler See: 2.600 Starter, neun Minuten Streckenrekord – und ein Snowboarder mittendrin

Copyright: Christian Krutis - Vorm Start, v.l.n.r.: Johnny Hoogerland, Martin Koch, Hannes Hessenberger, Sportlandesrat Heinrich Dorner, Bürgermeisterin Bettina Zentgraf, Ivan Basso, Benjamin Karl, Rene Haselbacher
Copyright: Christian Krutis - Vorm Start, v.l.n.r.: Johnny Hoogerland, Martin Koch, Hannes Hessenberger, Sportlandesrat Heinrich Dorner, Bürgermeisterin Bettina Zentgraf, Ivan Basso, Benjamin Karl, Rene Haselbacher

Der 34. Neusiedler See Radmarathon hatte in diesem Jahr alles, was ein gutes Radrennen benötigt: Rekordbeteiligung, einen packenden Zielsprint, einen prominenten Quereinsteiger mit Reifenpanne – und ein Ergebnis, das die Vorjahresbestzeit um gleich neun Minuten pulverisierte. 2.600 Radsportlerinnen und Radsportler aus 45 Nationen machten den Klassiker rund ums UNESCO-Weltkulturerbe Neusiedler See zum bisher größten seiner Geschichte.

Szelag schlägt sich selbst

Das Rennen über 125 Kilometer und 600 Höhenmeter durch die pannonische Tiefebene war von Beginn an eines für Tempofeste: Die Spitzengruppe legte die ersten eineinhalb Stunden mit knapp 47 km/h zurück – ein Tempo, das das Feld früh sortierte. Rund 50 Kilometer vor dem Ziel setzten sich zunächst Ex-Radprofi Maximilian Kuen und Ex-Amateurstaatsmeister Rene Pammer ab, bevor eine siebenköpfige Spitzengruppe den Zielort Mörbisch ansteuerte.

Im Sprint war der polnische Vorjahressieger Gracjan Szelag nicht zu schlagen. Seine Zeit: 2:41:47 Stunden – und damit neun Minuten schneller als sein eigener Streckenrekord aus dem Vorjahr.

„Es war ein sehr guter Tag und danke an mein Team Walbet, das gemeinsam mit RH77 Factory Racing das Rennen bestimmt hat. Der NRM liegt mir und mein Fokus gilt jetzt klar der WM 2029."

Gracjan Szelag, Sieger Herren

 

Zweiter wurde der Belgier Willem van den Borne, Dritter der österreichische Staatsmeister Anton Erlbacher – der damit die Ehre von RH77 Factory Racing rettete. Kuen und Pammer, die das Rennen zwischenzeitlich geprägt hatten, landeten auf den Rängen sechs und sieben.

Bei den Damen dominierte die 25-jährige Slowakin Alica Bradlerova das Rennen souverän. In 3:03 Stunden verwies sie die Polin Martyna Wisniewska und ihre Landsfrau Lenka Rusnak klar auf die Plätze. Beste Österreicherin war Anna Haditsch auf Rang sieben.


Benjamin Karl: Radpremiere mit 300 Watt und Reifenpanne

Das Medieninteresse galt an diesem Wochenende auch einem Mann, der bisher eher auf dem Snowboard für Schlagzeilen sorgte: Doppel-Olympiasieger Benjamin Karl bestritt nach seinem Rücktritt vom Snowboardsport sein erstes Radrennen – und schlug sich beachtlich. Bis Kilometer 85 lag er in der ersten Gruppe, ehe ein unglücklicher Kontakt mit dem Hinterrad von Rene Haselbacher die Felge beschädigte und einen Zwangsstopp erzwang.

„Über den ersten Hügel nach dem Start kam ich gut rüber. Bis Kilometer 85 lag ich in der ersten Gruppe – der Speed war mega, aber genau so etwas taugt mir. Dann habe ich kurz mit Rene Haselbacher geplaudert und mich dann leider an seinem Hinterrad aufgehängt, dadurch war die Felge ramponiert und ich musste kurz vom Rad. Die Gruppe war weg, aber bis ins Ziel konnte mich die nächste nicht mehr einholen. Es war ein super Rennen mit durchgehend 300 Watt."

Benjamin Karl, Doppel-Olympiasieger Snowboard

 

Am Ende belegte Karl Platz 64 mit rund vier Minuten Rückstand – für ein erstes Radrennen auf diesem Niveau eine ordentliche Visitenkarte.


Zeitfahren: Braun schlägt Weltmeister Hochstrasser

Den Auftakt des Wochenendes bildete am Samstag das 15. Mörbischer Zeitfahren über 26 Kilometer und 200 Höhenmeter – erstmals auch Teil der Austria Top Tour. Mehr als 400 Starterinnen und Starter gingen an den Start, das Duell der Favoriten endete knapp: Der amtierende Zeitfahr-Gran-Fondo-Weltmeister Daniel Hochstrasser musste sich dem ehemaligen deutschen Radprofi Julian Braun um gerade einmal sieben Sekunden geschlagen geben. Braun gewann in 34:41,7 Minuten, Dritter wurde Martin Geretschnig.

 

Bei den Damen siegte die Polin Ewelina Wolos in 38:51,2 Minuten vor Landfrau Martyna Wisniewska und der Deutschen Adelheid Schütz. Das Paarzeitfahren entschieden Max Kuen und Anton Erlbacher (RH77 Factory Racing) knapp vor Staatsmeister Rene Pammer und Christian Oberngruber für sich.


Blick auf 2029: Erste Amateur-WM in Österreich

Der NRM ist längst mehr als ein regionaler Radklassiker. Seit Jahren Teil der UCI Gran Fondo World Series, vergibt das Rennen Qualifikationsplätze für die Amateur-WM in Japan und – erstmals in diesem Jahr – auch für die Europameisterschaft in Italien. Der große Zielstrich liegt 2029: Dann findet am Neusiedler See die erste UCI Gran Fondo Weltmeisterschaft in Österreich statt. OK-Chef Hannes Hessenberger, seit 2018 an der Spitze des Events, zog eine klare Bilanz:

„2.600 Starter an diesem Wochenende, das ist ein neuer Rekord. Ein großes Danke an die 115 Mitarbeiter, die für ein tolles Event sorgten."

Hannes Hessenberger, OK-Chef NRM

 

Neuer Botschafter des Events ist Ivan Basso, zweifacher Giro-d'Italia-Sieger, der den NRM in die weltweite Gran Fondo Series einordnete und seine persönliche Verbindung zu Österreich betonte – hier gewann er einst sein erstes Profirennen.


Fazit: Der 34. Neusiedler See Radmarathon war in jeder Hinsicht ein Statement: Rekordfeld, Streckenrekord, erstklassiges Rahmenprogramm – und mit der WM 2029 im Hintergrund wächst der Druck, dieses Niveau zu halten. Bislang gelingt das eindrucksvoll.

 

 

Alle Ergebnisse: events.racetime.pro | Mehr Informationen: neusiedlersee-radmarathon.com

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