Sicherheit im Stillstand: ADFC übt scharfe Kritik an stagnierender Radverkehrspolitik

Radfahrerin im dichten Straßenverkehr und in kritischer Kreuzungssituation. © ADFC / April Agentur
Radfahrerin im dichten Straßenverkehr und in kritischer Kreuzungssituation. © ADFC / April Agentur

Im Vorfeld der Nationalen Verkehrssicherheitskonferenz zieht der ADFC eine ernüchternde Bilanz der bisherigen Bemühungen von Bund und Ländern. Trotz der im Nationalen Radverkehrsplan festgeschriebenen Ziele, die Zahl der getöteten Radfahrenden bis 2030 signifikant zu senken, zeichnet die Realität auf Deutschlands Straßen ein gegenteiliges Bild. Der Interessenverband fordert angesichts steigender Unfallzahlen eine radikale Priorisierung ungeschützter Verkehrsteilnehmer und eine Abkehr von lückenhaften Infrastrukturlösungen.

Die statistischen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) belegen eine besorgniserregende Entwicklung: Im Zehnjahresvergleich von 2014 bis 2024 stieg die Zahl der getöteten Radfahrenden um 12 Prozent auf insgesamt 445 Menschen an. Noch deutlicher fällt das Plus bei den Unfällen mit Personenschaden aus, die im gleichen Zeitraum um rund 18 Prozent auf über 93.000 Fälle zunahmen.

 

ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann bezeichnet diese Zwischenbilanz als alarmierend. Besonders kritisch wird bewertet, dass nicht nur die Sicherheit stagniert, sondern auch der angestrebte Zuwachs des Radverkehrsanteils am Gesamtverkehr ausbleibt. Dieser verharrt laut aktuellen Erhebungen bei lediglich 11 Prozent. Damit stehen laut ADFC sowohl der Nationale Radverkehrsplan als auch die Nationale Verkehrssicherheitsstrategie vor dem Scheitern, sofern kein massives politisches Umsteuern erfolgt.

 

Schwachstelle Infrastruktur: Kreuzungen als Hauptgefahrenquellen

Als maßgebliche Ursache für die prekäre Sicherheitslage identifiziert der Verband die mangelhafte Infrastruktur. Die meisten Unfälle ereignen sich im direkten Konflikt mit dem Automobilverkehr, primär an Kreuzungen und Einmündungen.

  • Lückenhafte Netze: Während in Städten oft die Trennung vom Kfz-Verkehr fehlt, existiert auf dem Land vielerorts gar keine Radwegeinfrastruktur.

  • Planungsfehler: Die hohe Konfliktquote an Knotenpunkten wird als Resultat grundlegender Defizite in der Verkehrsplanung gewertet.

  • Subjektives Sicherheitsgefühl: Mangelhafte Zustände und ungünstige Wegeführungen hindern zudem viele Menschen daran, überhaupt auf das Fahrrad umzusteigen.

Forderungskatalog für eine echte Verkehrswende

Um die Vision einer sicheren Mobilität zu realisieren, richtet der ADFC klare Erwartungen an Bundesverkehrsminister Schnieder und die zuständigen Gremien. Im Zentrum stehen die Forderung nach einem „Bund-Länder-Vertrag“ und einer nachhaltigen Finanzierung für ein deutschlandweites Alltags-Radnetz.

Die konkreten Kernforderungen umfassen:

  • Infrastrukturoffensive: Ein beschleunigter Ausbau von Qualitätsradwegenetzen sowohl in urbanen als auch in ländlichen Räumen.

  • Geschwindigkeitsanpassung: Die Einführung von Tempo 30 als Standardgeschwindigkeit innerorts, um das Unfallrisiko zu minimieren.

  • Knotenpunkt-Sanierung: Der systematische Umbau gefährlicher Kreuzungsbereiche.

  • Verhaltenskontrolle: Bundesweite Kampagnen zur Einhaltung des gesetzlichen Mindestüberholabstands (1,5m innerorts/2 m außerorts) sowie konsequentes Vorgehen gegen Falschparker auf Radwegen.

„Sicherer Radverkehr ist nur auf sicheren Radwegen möglich“, unterstreicht Lodemann. Nur durch eine geschützte Infrastruktur lasse sich das Potenzial des Fahrrads für Klimaschutz und Gesundheit voll ausschöpfen.

 

Weitere Informationen unter: www.adfc.de

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