
Der öffentlich bestellte Sachverständige Ernst Brust kritisiert die aktuelle Debatte um neue Prüfverfahren für Pedelecs scharf. Laut Brust greife die bisherige Fokussierung auf die Motorleistung zu kurz, da sie die tatsächliche Sicherheit im Straßenverkehr nicht ausreichend abbilde. Statt einer komplexen Leistungsregulierung plädiert er für eine verbindliche Begrenzung der Beschleunigungswerte, um das Fahrverhalten der elektrisch unterstützten Fahrräder sicherer und kontrollierbarer zu machen.
Nach Ansicht von Ernst Brust befindet sich die Industrie derzeit in einem "Watt-Wettrüsten", bei dem Hersteller versuchen, sich mit immer höheren Leistungswerten zu überbieten. Die Sicherheit über die Watt-Zahl regulieren zu wollen, hält der Experte für einen grundlegenden Denkfehler. Er warnt davor, dass die vorgeschlagenen neuen Prüfverfahren, die auf komplexen Prüfstandsmessungen und Berechnungsmodellen basieren, eine gefährliche Scheingenauigkeit erzeugen. Diese Verfahren seien stark modellabhängig und fehleranfällig, was weder der Vergleichbarkeit noch der realen Sicherheit diene.
Beschleunigung als entscheidender Sicherheitsfaktor
Der zentrale Vorschlag des Sachverständigen sieht einen radikalen Paradigmenwechsel vor: weg von der Leistungsdiskussion, hin zur Fahrdynamik. Nicht die theoretische Motorleistung, sondern die tatsächliche Beschleunigung beschreibe, wie aggressiv ein Pedelec reagiert. Um das Fahrverhalten wirksam zu regulieren, schlägt Brust einen konkreten physikalischen Grenzwert vor:
- Maximalwert: Eine zulässige Beschleunigung von 0,835 m/s² bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h.
- Messbarkeit: Dieser Wert lässt sich direkt im Fahrversuch ermitteln und ist unabhängig von stationären Prüfständen.
- Manipulationsschutz: Ein solcher Ansatz gilt als schwerer manipulierbar und ist zudem technologieneutral.
- Realitätsbezug: Die Regulierung orientiert sich damit am tatsächlichen Fahrverhalten statt an komplexen mathematischen Modellen.
Appell an Industrie und Normungsgremien
Brust betont, dass eine Regulierung, die an der physikalischen Realität vorbeigeht, langfristig wirkungslos bleibe. Er fordert die Industrie und die zuständigen Gremien dazu auf, die Komplexität der Modelle zu reduzieren und stattdessen auf direkt messbare, physikalische Größen zu setzen. Nur so könne ein Rahmen geschaffen werden, der das tatsächliche Risiko im Umgang mit immer stärker werdenden Antrieben minimiert und für klare Regeln sorgt, die in der Praxis auch Bestand haben.
Weitere Informationen unter: www.velotech.de

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Jutta Körner Würzburg (Samstag, 11 April 2026 13:32)
Ein sehr vernünftiger Ansatz.
Gerade wir im Fachhandel bekommen in der Werkstatt mit, was alles passieren kann, wenn der Fahrer/ die Fahrerin unsicher sind und kaum Erfahrung mit dem Fahren eines Pedelec, zudem mit relativ schmaler Bereifung (im Vergleich zu Mofa/Moped/Motorrad)hat.
Velototal GmbH (Montag, 13 April 2026 09:26)
Da hast du vollkommen recht. Das ist ein ernstzunehmender Ansatz.