Gegenwind für den neuen E-Bike-Supermotor: Kaum ist der DJI-Avinox-Antrieb auf dem Markt, rollen die ersten Manipulations-Tools heran. Für gerade einmal 55 EUR versprechen sogenannte Delimiter-Geberscheiben das freie Biken ohne 25-km/h-Bremse. Der vereidigte Sachverständige Ernst Brust schlägt Alarm: Wer die Sensorik mit billigen Mechanik-Tricks täuscht, riskiert nicht nur den Versicherungsschutz, sondern den Kollaps des gesamten E-Bikes.
Wenn 55 EUR ein Tausende-Euro-Bike ruinieren
Der neue DJI-Avinox-Antrieb stellt mit Spitzenleistungen von bis zu 1.500 Watt bereits ab Werk eine Enormität im EPAC-Bereich dar. Dennoch schaffen es Zubehöranbieter erneut, die Geschwindigkeitsbegrenzung auszuhebeln. Die Methode ist dabei denkbar simpel: Die originale Geberscheibe an der Hinterrad-Bremsscheibe wird gegen ein Modell mit weniger Impulsen ausgetauscht. Das Steuergerät registriert dadurch nur etwa die Hälfte der gefahrenen Geschwindigkeit und unterstützt munter weit über die erlaubten 25 km/h hinaus.
Ernst Brust ordnet die Situation unmissverständlich ein:
„Dass ein derart leistungsstarkes Antriebssystem bereits kurz nach seiner Markteinführung getunt wird, zeigt, dass nicht die Motorleistung das eigentliche Problem ist. Entscheidend ist die Bereitschaft, gesetzliche Sicherheitsgrenzen bewusst außer Kraft zu setzen.“
Überlastung auf ganzer Linie: Wenn Rahmen und Bremsen schlappmachen
Wer glaubt, dass bei höheren Geschwindigkeiten nur der E-Motor etwas mehr gefordert wird, wiegt sich in gefährlicher Sicherheit. Fahrräder und Pedelecs werden nach der Norm EN 15194 gezielt für Geschwindigkeiten und Belastungsspitzen bis 25 km/h konstruiert und getestet. Rollen E-Bikes dauerhaft mit 50 oder 60 km/h über den Asphalt, steigen die dynamischen Belastungen auf Rahmen, Gabel, Laufräder, Speichen, Lager und Bremsen exponentiell an. Materialermüdung oder plötzliches Bauteilversagen sind die logische Folge.
Sachverständiger Ernst Brust betont das Ausmaß der Materialbeanspruchung:
„Viele glauben, lediglich der Motor müsse etwas mehr arbeiten. Tatsächlich wird das gesamte Pedelec außerhalb seiner Summary-Auslegung betrieben. Die Belastungen steigen mit zunehmender Geschwindigkeit erheblich und können die Produktsicherheit gefährden.“
Rechtliche Keule und digitale Nachweisbarkeit
Die rechtlichen Konsequenzen einer solchen Bastelei treffen Fahrer hart. Durch den Umbau erlischt die Konformität als Pedelec augenblicklich. Wer erwischt wird oder verunglückt, verliert Garantie- sowie Gewährleistungsansprüche, steht ohne Versicherungsschutz da und muss mit zivil- und strafrechtlichen Folgen rechnen.
Hoffnungen, das Tuning bliebe unbemerkt, erweisen sich zudem als Trugschluss: Moderne Diagnosesysteme lesen Plausibilitätsdaten lückenlos aus und machen unnatürliche Strecken- oder Verbrauchswerte sofort sichtbar. Um der Welle einfacher mechanischer Tricks Einhalt zu gebieten, sieht Brust nun Industrie und Politik in der Pflicht:
„Wir benötigen manipulationssichere Sensorsysteme, intelligente Plausibilitätsprüfungen im Steuergerät und europaweit einheitliche Prüfverfahren. Nur so lassen sich Produktsicherheit und Verbraucherschutz langfristig gewährleisten.“
Unsere Meinung:
Die Entwicklung macht deutlich, dass die Absicherung gegen Tuning für Hersteller zu einer zentralen Aufgabe werden muss. Wer High-End-Pedelecs durch Billig-Komponenten entdrosselt, setzt nicht nur teures Material, sondern vor allem die eigene Gesundheit aufs Spiel.

Kommentar schreiben