Kurswechsel beim Klimaschutz: Herrmans setzt auf harte Zahlen statt schwammige Versprechen

Die Diskussion um Nachhaltigkeit in der Fahrradbranche erreicht eine neue Reifephase. Der finnische Komponentenhersteller Herrmans, bekannt für Griffe, Felgenbänder und Beleuchtungskomponenten, bricht in seinem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht mit einem weitverbreiteten Branchen-Trend. Statt sich hinter dem oft unkonkreten Begriff der „Klimaneutralität“ zu verstecken, formuliert das Unternehmen seine Klimastrategie radikal um und setzt ab sofort auf messbare Reduktionsziele in der eigenen Wertschöpfungskette.

Der Grund für die strategische Neuausrichtung liegt in den gestiegenen gesetzlichen Anforderungen und einem tieferen Verständnis der sogenannten Scope-3-Emissionen, welche die gesamte Lieferkette und den Produktlebenszyklus umfassen. Das Unternehmen zieht damit Konsequenzen aus den sich ständig weiterentwickelnden globalen Klimaleitlinien. Anstelle von Kompensationsgeschäften rückt die reale Verringerung des CO₂‑Ausstoßes in den Fokus.

 

Das neu definierte Kernziel steht fest: Bis zum Jahr 2035 sollen die absoluten Emissionen um die Hälfte schrumpfen. Als Orientierungspunkt dient dabei das Basisjahr 2020.

 

Kreislaufwirtschaft in der Griffproduktion

Hinter den nackten Reduktionszahlen steht laut Hersteller eine Umstellung der täglichen Prozesse in den Produktionsstätten. Ein zentraler Hebel ist die direkte Wiederverwertung von Ausschussmaterialien. So wird anfallender Produktionsabfall ohne Umwege direkt zurück in die Fertigung der hauseigenen Fahrradgriffe geleitet. Parallel dazu arbeitet die Entwicklungsabteilung an neuen Materialzusammensetzungen für Felgenbänder, um deren ökologischen Fußabdruck zu minimieren, und versucht, den Einsatz biobasierter Inhaltsstoffe für Kunden und Partner transparenter aufzuschlüsseln. Auch die Bereiche Social Compliance und das interne Reporting wurden für den aktuellen Bericht gezielt nachgeschärft.

 

Der aktuelle Bericht ist hier frei zugänglich: 

https://herrmans.eu/wp-content/uploads/2026/07/Herrmans_Sustainability_Report_2025.pdf

 

Weitere Informationen:

https://herrmans.eu/

 

 

Unsere Meinung:

Die Abkehr von der werbewirksamen, aber oft schwer überprüfbaren „Klimaneutralität“ hin zu einer harten Halbierung der absoluten Emissionen ist ein ehrlicher und notwendiger Schritt. Er zeigt, dass Nachhaltigkeit in der Zulieferindustrie kein reines Marketing-Tool mehr sein darf, sondern datengetrieben im Kern der Produktion verankert werden muss. Ob die angepeilte Reduktion von 50 Prozent bis 2035 im harten wirtschaftlichen Wettbewerb der kommenden Jahre ohne Produktivitätsverluste realisiert werden kann, wird die fortlaufende Berichterstattung beweisen müssen.

 

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