Unsichtbare Gefahr im Straßenverkehr: Neue Methode soll E-Bike-Tuning stoppen

Das illegale Tuning von Pedelecs entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Sicherheitsproblem. Weil statt sichtbarer Tuning-Chips immer häufiger Software-Manipulationen, App-Freischaltungen oder Online-Lizenzen genutzt werden, um die gesetzliche Unterstützungsgrenze von 25 km/h zu umgehen, ist die Manipulation von außen kaum noch erkennbar. Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Mikromobilität Ernst Brust warnt vor einer kontinuierlich steigenden Tuning-Quote.

Die Tuning-Zahlen steigen kontinuierlich an

Nach Einschätzung des Sachverständigen nimmt der Anteil manipulierter E-Bikes auf deutschen Straßen seit Jahren stetig zu. Während der geschätzte Anteil im Jahr 2018 noch bei geringen 0,8 % lag, stieg er bis 2022 auf 3,3 % und erreichte im Jahr 2025 einen vorläufigen Höchststand von rund 6,0 %.

 

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen auf der Hand: Tuning-Kits und Software-Lizenzen sind weltweit extrem einfach verfügbar, die technische Hemmschwelle ist massiv gesunken und die Veränderungen sind optisch nicht mehr auszumachen. Ein wesentlicher Treiber ist zudem der schwache Absatz von S-Pedelecs. Viele Nutzer wollen zwar schneller als 25 km/h fahren, scheuen jedoch die gesetzlichen Auflagen eines echten Kraftfahrzeugs wie Versicherungskennzeichen, Fahrerlaubnis, Helmpflicht und Radwegverbote. Stattdessen wird illegal zum Software-Eingriff gegriffen.

Energieverbrauch als digitaler Tuning-Detektor

Da herkömmliche Kontrollen versagen, schlägt Ernst Brust einen gänzlich neuen, objektiven Prüfparameter vor: den Energieverbrauch in Wattstunden pro Kilometer (Wh/km). Ein serienmäßiges Pedelec benötigt im normalen Fahrbetrieb – je nach Fahrer, Zuladung, Gelände und Temperatur – typischerweise 6 bis 12 Wh/km. Liegt der elektronisch erfasste Verbrauch unter vergleichbaren Bedingungen deutlich über diesen Erfahrungswerten, liefert das einen konkreten technischen Hinweis auf eine illegale System-Manipulation. Der Wh/km-Wert dient dabei als digitaler Verdachtsindikator, um auffällige Fahrzeuge bei Kontrollen gezielt für tiefergehende Messungen herauszufiltern.

Auslesen in wenigen Minuten via Smartphone

Moderne E-Bike-Antriebe speichern die relevanten Betriebsdaten bereits elektronisch ab. Wenn diese Daten künftig über standardisierte Diagnoseschnittstellen oder Bluetooth freigegeben werden, könnten Polizei oder Gutachter den Energieverbrauch direkt vor Ort mit dem Smartphone auslesen oder berechnen. Innerhalb weniger Minuten stünde fest, ob das Fahrzeug aus dem Raster fällt. Ein begründeter Verdacht ließe sich anschließend durch exakte Leistungs-, Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsmessungen final untermauern.

Höhere Belastung für das Material gefährdet die Sicherheit

Die Gefahren des Tunings werden oft unterschätzt. Durch die höheren Geschwindigkeiten und Motorleistungen wirken extreme mechanische Kräfte auf Komponenten wie Rahmen, Gabeln, Laufräder und Bremsen, für die herkömmliche Pedelecs schlichtweg nicht konstruiert sind. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, fordern Experten daher dringend neue, rechtssichere Prüfmethoden für die Praxis.

„Wir brauchen objektive Messgrößen statt Vermutungen. Der Energieverbrauch in Wh pro Kilometer ist einfach zu erfassen, reproduzierbar und könnte künftig ein wichtiger Baustein zur Erkennung manipulierter Pedelecs werden. Moderne Diagnosesysteme und Bluetooth-Technologien bieten dafür neue Möglichkeiten. In Verbindung mit Leistungs-, Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsmessungen kann daraus ein wirksames und praxisgerechtes Prüfverfahren entstehen.“

Die Standardisierung dieses Prüfparameters wäre ein kostengünstiger, objektiver und schneller Weg, um Kontrollbehörden und Prüforganisationen spürbar zu entlasten und die Unfallgefahren durch frisierte Elektrofahrzeuge effektiv einzudämmen. 

 

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