
Die Eurobike 2026 in Frankfurt am Main zieht eine überraschend positive Bilanz, obwohl die nackten Zahlen die tiefe Krise der Fahrradbranche ungeschminkt offenlegen. In einem von wirtschaftlichen und verbandspolitischen Turbulenzen geprägten Umfeld präsentierten rund 800 Aussteller aus 44 Ländern primär smarte Softwarelösungen und neue Antriebe. Doch der dramatische Einbruch bei den Fachbesucherzahlen auf rund 15 000 – was einer Halbierung gegenüber dem Vorjahr entspricht – zeigt unmissverständlich, wie sehr das Fundament der Leitmesse wackelt.
Digitalisierung als Treiber und hohe Qualität der Entscheider
Im Zentrum der vier Messetage standen technologische Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Vor allem Softwarelösungen zur Vernetzung von Mensch und E-Bike sowie neue Sicherheitsfeatures bestimmten das Bild in den Hallen. Trotz des massiven Besucherschwunds betonen die Veranstalter, dass die Qualität der anwesenden Fachbesucher spürbar gestiegen ist: Der Anteil an Führungskräften kletterte auf 71 Prozent. Zudem sorgte die Präsenz von über 600 Medienschaffenden für eine globale digitale Reichweite, die laut Messeberichterstattung die Marke von 440 Millionen überschritten hat.
Philipp Ferger, Geschäftsführer des Veranstalters Fairnamic, resümiert zum Messeschluss am Samstag:
„Die Eurobike 2026 war genau das, was wir gemeinsam mit der Branche erwartet haben: eine Messe der Transformation. Dabei war die Internationalität der Besucher zu zwei Dritteln europäisch, zu einem Drittel außereuropäisch. Die mediale Reichweite der Eurobike in den letzten sieben Tagen ist mit über 440 Millionen mehr als beachtlich. Außerdem stieg die Qualität der Fachbesucher deutlich auf 71 Prozent Führungskräfte im Vergleich zu 2025 (58 %). Das gesamte Team und ich werden jetzt die kommenden Wochen nutzen, um an unserer Vision 2027, das heißt, klarer internationaler B2B-Fokus, kürzere Messedauer und der Umzug in den anderen Geländeteil, weiterzuarbeiten. Unser Profil werden wir noch deutlicher schärfen müssen. Dazu kam wertvoller Input von Kundenseite und aus unserem Beirat.“
Der neue Show Director, Matthias Pietsch, blickt ambitioniert in die Zukunft:
„Die vielen Gespräche während der Eurobike haben gezeigt, wie groß die Bereitschaft ist, die Zukunft der Leitmesse gemeinsam weiterzuentwickeln. Dieses Feedback werden wir jetzt sorgfältig auswerten und für 2027 den geschäftlichen Nutzen für unsere Aussteller und Besucher noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Jetzt geht es auch darum, führende Marken wieder nach Frankfurt zurückzuholen.“
O-Töne aus der Industrie: Zwischen Erleichterung und Aufbruch
Die anwesenden Unternehmen nutzten den Freiraum, den das Fernbleiben einiger Branchenriesen schuf, konsequent für die eigene Positionierung.
Roman Arnold, Executive Chairman und Founder Canyon Bicycles:
„Wir sind zur Eurobike gekommen, um mit unseren Kunden, der Fahrradbranche und der Außenwelt in Kontakt zu treten, unsere Innovationen zu präsentieren und unsere Geschichte mit der Welt zu teilen. Die Eurobike 2026 hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Wir haben einen wesentlichen Teil der Identität von Canyon gestärkt und sind sehr zufrieden mit allem, was wir erreichen konnten.“
Susanne und Felix Puello, Geschäftsführer und Inhaber Raymon Bicycle:
„Die Eurobike 2026 war für uns ein voller Erfolg. Genau dieses Umfeld hatten wir uns erhofft: Durch die Abwesenheit einiger großer Marktteilnehmer konnten wir die Bühne optimal nutzen und unsere Neuheiten sowie unsere Strategie einem breiten Fachpublikum präsentieren. Die Frequenz an unserem Stand war durchgehend sehr gut und wir haben zahlreiche hochwertige Gespräche mit Händlern, Partnern und Medien geführt. Besonders gefreut hat uns die offene und partnerschaftliche Atmosphäre auf der Messe. Gerade in einer Zeit des Wandels zeigt sich, wie wichtig der persönliche Austausch ist. Deshalb wäre es auch aus unserer Sicht wünschenswert, die Herausforderungen der Branche gemeinsam anzugehen und miteinander die Zukunft des Fahrrads zu gestalten.“
Eric Zhang, CEO E-Bike Division Gobao:
„Mit unserem Aussteller-Engagement zur Eurobike hatten wir ein klares Ziel vor Augen: Wir wollten Kontakte zu weiteren Akteuren der Branche knüpfen, insbesondere zu OEMs, potenziellen Partnern und Medienvertretern. Wir freuen uns sehr, dass wir die Gelegenheit hatten, unser System Hunderten von Besuchern an unserem Stand vorzustellen, und können mit Freude sagen, dass wir unsere Ziele voll und ganz erreicht haben.“
Alex Thusbass, Managing Director des Fahrradherstellers Hepha:
„Wir haben die Eurobike 2026 gezielt als Plattform genutzt, um die mediale Sichtbarkeit von Hepha zu steigern und das Unternehmen inhaltlich als Innovationsmarke zu positionieren. Dazu haben wir das gesamte Standkonzept angepasst und das Urban X-Konzept als sichtbares und medial relevantes Vorzeigeprojekt in den Vordergrund gerückt. Wir können bereits jetzt sagen, dass diese Strategie aufgegangen ist. Die Resonanz von Medien, Handel und Branchenexperten hat unsere Erwartungen tatsächlich übertroffen, da sie zu einer umfangreichen nationalen und internationalen Berichterstattung bis hin zu mehreren TV-Beiträgen in den Mainstream-Sendern geführt hat. Auch ohne den endgültigen Media Value bereits zu kennen, hat sich unsere Investition bereits ausgezahlt. Unser Dank gilt dem Team von Fairnamic und der Messe Frankfurt, die uns hervorragend unterstützt haben. Für Hepha war die Eurobike 2026 wie im vergangenen Jahr in jeder Hinsicht wieder ein voller Erfolg.“
Remi Rennesson, Commercial Manager Cyclee by Valeo:
„Die Messe war für uns äußerst wertvoll, insbesondere an den ersten beiden Tagen. Zahlreiche Medienvertreter besuchten unseren Stand, und die Messeveranstalter gingen aufmerksam auf unsere Bedürfnisse in Bezug auf unsere neue Markenpositionierung ein. Die Qualität der geknüpften Kontakte war hervorragend, und wir waren sehr zufrieden. Es war die perfekte Plattform für uns, um unsere Marke weiter auszubauen.“
Dr. Robert Peschke, CEO Little John Bikes:
„Ich verlasse die Eurobike 2026 mit einem positiven Gefühl. Viele gute Gespräche, neue Impulse und vor allem die Erkenntnis: Die Herausforderungen unserer Branche lassen sich nicht allein lösen. Die Fahrradbranche ist global, und genauso global müssen wir auch denken und handeln. Einmal mehr hat die Eurobike gezeigt, wie viel Potenzial in einem offenen, partnerschaftlichen Austausch steckt. Hersteller, Händler, Zulieferer und Dienstleister verbindet letztlich ein gemeinsames Ziel: Menschen fürs Radfahren zu begeistern. Weniger Gegeneinander. Mehr Miteinander. Mehr Lösungen statt Lagerdenken. Vielen Dank an alle Gesprächspartner für den inspirierenden Austausch. Gemeinsam können wir unsere Branche nachhaltig weiterentwickeln.“
Ernst Brust, Vorstandsvorsitzender Radlogistikverband Deutschland e. V. (RLVD):
„Die Eurobike 2026 hat erneut gezeigt, dass sich die Fahrrad- und Mikromobilitätsbranche in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Die Messe entwickelt sich zunehmend zu einer Plattform für hochwertige Geschäftsgespräche und strategische Partnerships. Gleichzeitig wurden deutliche Veränderungen im internationalen Wettbewerb sichtbar. Aus Sicht des Radlogistikverbandes Deutschland (RLVD) sollte der Fokus deshalb wieder stärker auf Innovation, technischer Entwicklung und internationaler Wettbewerbsfähigkeit liegen.“
Zusammenfassung
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Event: 34. Eurobike 2026
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Veranstalter: Fairnamic GmbH
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Aussteller: Rund 800 Unternehmen aus 44 Ländern
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Besucherzahlen 2026: 15.130 Fachbesucher / 8.970 Endverbraucher (Festival-Samstag)
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Schwerpunkte: Konnektivität, Software, Antriebstechnologien, urbane Sicherheit
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Nächster Termin: 1. bis 3. September 2027 (inklusive Geländeumzug auf der Messe Frankfurt)
Persönliche Meinung:
Die offizielle Bilanz liest sich wie das Pfeifen im Walde: Reichweiten-Rekorde und eine „gestiegene Besucherqualität“ können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Fachbesucherschwund von über
31.000 im Vorjahr auf nur noch 15.130 ein wirtschaftliches Desaster ist. Die Eurobike in Frankfurt am Main kämpft um ihre Existenz. Der wahre Härtetest steht der Messe aber erst im nächsten Jahr
bevor, wenn der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) fast zeitgleich eine eigene Konkurrenzveranstaltung in Köln etabliert.
Diese verbandslose Spaltung zwingt eine ohnehin krisengeschüttelte Branche, sich zwischen dem internationalen Hub in Frankfurt a. M. und dem neuen, händlernahen Format in Köln zu entscheiden. Zweigleisig wird im aktuellen Marktumfeld kaum ein Hersteller fahren können. Wenn die Eurobike es mit dem angekündigten Umzug in einen kompakteren Geländeteil und der Verkürzung der Messedauer 2027 nicht schafft, die abgewanderten Key-Player im B2B-Bereich zurückzuholen, droht dem einstigen Branchen-Mekka in Frankfurt a. M. wahrscheinlich das endgültige Aus. Der deutsche Markt verträgt keine zwei Leitmessen zu identischen Terminen – am Ende könnte Köln das Rennen machen, wenn Frankfurt sein Profil nicht radikal schärft.

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