
Auf der Auftakt-Pressekonferenz der Eurobike 2026 wurden wegweisende Trends, handfeste wirtschaftliche Daten und die zukünftige Marschrichtung der Leitmesse präsentiert. Angesichts eines herausfordernden Marktumfelds will die Messe ihr Profil ab 2027 deutlich schärfen, um als führende europäische B2B-Plattform für das Bike-Business, Ecomobility und Innovationen zu agieren. In Frankfurt präsentieren in diesem Jahr rund 800 Aussteller aus 44 Ländern ihre Neuheiten.
Philipp Ferger, Geschäftsführer des Veranstalters Fairnamic GmbH, erklärte am vorgelagerten Media Day die nächsten Entwicklungsschritte der Eurobike. Ziel ist es, die internationale Leitmesse noch konsequenter an den Bedürfnissen des Marktes auszurichten und ihre Rolle als zentrale B2B-Plattform weiter auszubauen. Ferger betonte die Notwendigkeit des Wandels: „Die Branche braucht einen starken internationalen Treffpunkt für persönliche Begegnung. Deshalb entwickeln wir die Eurobike konsequent weiter – fokussierter und noch näher an den Bedürfnissen unserer Aussteller, Fachbesucher und Marktpartner. Wir freuen uns über rund 800 Aussteller aus 44 Ländern, die hier in Frankfurt vom 24. bis 27. Juni ihre Neuheiten präsentieren.“
Dass der persönliche Austausch wichtiger wird, belegen aktuelle Marktdaten des IFH Köln. Dr. Ralf Deckers, Bereichsleiter Strategic Insights & Analytics und Mitglied der Geschäftsleitung, lieferte dazu die Zahlen einer internationalen Befragung. Demnach belasten geopolitische Unsicherheiten die Branche. Konkret erwarten 70 Prozent der Befragten steigende Einkaufspreise, 61 Prozent sehen eine allgemein wachsende Unsicherheit und 55 Prozent rechnen mit weiterem Margendruck. Dennoch gibt es erste Lichtblicke im Geschäftsklima. Für 73 Prozent der Marktteilnehmer sind persönliche Netzwerke und für 68 Prozent direkte Lieferantenbesuche die relevantesten Kanäle. Deckers ordnete die Lage ein: „Die Branche muss sich in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld behaupten. Belastend wirken vor allem geopolitische Unsicherheiten.“
Riesiges Umsatzpotenzial durch weibliche Zielgruppen
Eine aktuelle Untersuchung von Women in Cycling Germany und dem IFH Köln zeigt ein massives, bislang ungenutztes Wachstumspotenzial: Frauen. Während der deutsche Gesamtmarkt bis 2030 voraussichtlich stagnieren wird, könnten durch eine gezielte und veränderte Ansprache weiblicher Zielgruppen zusätzliche Umsätze von bis zu 950 Millionen Euro generiert werden. Laut der Untersuchung geht es dabei weniger um eine gänzlich neue Nachfrage, sondern um den gezielten Abbau bestehender Zugangsbarrieren. Isabell Eberlein, Geschäftsführerin von Velokonzept und Gründerin von Women in Cycling Germany, brachte es auf den Punkt: „Die Fahrradbranche hat kein Nachfrageproblem, sie hat ein Zugangsproblem. Wer statt über Technik stärker über Sicherheit, Komfort und Alltagstauglichkeit spricht, erschließt erhebliches Wachstumspotenzial.“
Digitale Disruption und die Herausforderung für Messen
Hannes Neupert, Experte für EPACs und Mikromobilität, prognostiziert der Branche eine technologische Umbruchphase, die mit den großen Mobilitätsrevolutionen des frühen 20. Jahrhunderts vergleichbar sei. Software durchdringt zunehmend alle Bereiche, von der Fahrzeugsteuerung bis zum Nutzererlebnis, wodurch die Grenzen zwischen Hardware- und Softwareunternehmen verschwimmen. Dies stellt auch Messen vor neue Aufgaben, da Software physisch schwerer darzustellen ist als ein klassisches Fahrrad. Neupert richtete einen eindringlichen Appell an alle Marktteilnehmer: „Gerade in einer Welt zunehmender Digitalisierung gewinnen physische Veranstaltungen an Bedeutung, weil sie den direkten Vergleich von Produkten, Technologien und Anwendungen ermöglichen. Allerdings ist es nicht einfach, Software als Messeinhalt zu thematisieren. Hier braucht es signifikant neu gedachte Ansätze.“
Die Eurobike findet vom 24. bis 27. Juni 2026 in Frankfurt statt, wobei der letzte Messetag als Publikumstag deklariert ist.

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