Neue EN 15194:2024 – Das müssen Hersteller und Händler jetzt wissen

Neue EN 15194:2024 – Was Hersteller und Händler von EPACs jetzt beachten müssen © velotech.de
Neue EN 15194:2024 – Was Hersteller und Händler von EPACs jetzt beachten müssen © velotech.de

Mit der Veröffentlichung der EN 15194:2017+A1:2023 (in Deutschland: DIN EN 15194:2024‑03) gelten in Europa aktualisierte Sicherheitsanforderungen für elektrisch unterstützte Fahrräder (EPACs). Die Norm definiert Vorgaben zu elektrischer und mechanischer Sicherheit, Steuerungssystemen, Batterieintegration, EMV, Kennzeichnung, Benutzerinformationen und technischer Dokumentation.

Kern der Aktualisierung ist die deutliche Verschärfung der Anforderungen an Akkusysteme. Für neue Konformitätsbewertungen wird nun ein Nachweis nach EN 50604‑1 erwartet. Ältere Nachweise ausschließlich nach IEC/EN 62133 gelten für neue Bewertungen häufig nicht mehr als ausreichend.

 

Was bedeutet das für bestehende Produkte?

Bereits in Verkehr gebrachte EPACs dürfen weiterhin gehandelt werden. Für neue Lieferungen oder neue CE‑Bewertungen muss jedoch die aktuelle Normfassung zugrunde gelegt werden. Ein Rückruf ergibt sich aus dem Normenwechsel nicht automatisch – nur bei konkreten Sicherheitsrisiken oder behördlicher Anordnung.

 

Reicht eine Batterieprüfung nach EN 50604‑1?

Nein. Die Batterieprüfung deckt ausschließlich die Akkusicherheit ab. Das vollständige EPAC muss weiterhin alle Anforderungen der EN 15194 erfüllen – von elektrischer Sicherheit über EMV bis zu funktionaler Sicherheit und Benutzerinformationen.

 

Gültigkeit älterer Zertifikate

Ältere Zertifikate dokumentieren den damaligen Stand, reichen aber für neue Konformitätsbewertungen oft nicht mehr aus. Hersteller sollten prüfen, ob Delta‑Prüfungen, Ergänzungsbewertungen oder Aktualisierungen der technischen Dokumentation notwendig sind.

 

Müssen Modelle komplett neu geprüft werden?

Nicht zwingend. Häufig genügt eine Delta‑Prüfung der geänderten Anforderungen – insbesondere bei Batterie, Ladegerät, Steuerungssystemen und Dokumentation. Eine vollständige Neubewertung ist jedoch ratsam bei neuen Zelltypen, BMS‑Änderungen, Lieferantenwechseln oder unklarer Batteriekonformität.

 

Gilt die Norm auch für E‑Lastenräder?

Ja, sofern sie unter die EPAC‑Definition fallen. Aufgrund höherer Massen und komplexerer Systeme gewinnen zusätzlich die neuen Normen der Reihe EN 17860 an Bedeutung.

 

Blick in die Zukunft

Die Normenlandschaft wird modularer: Diskutiert werden separate Normteile für elektrische Sicherheit, EMV, funktionale Sicherheit, Cybersecurity und Anti‑Tampering. Parallel rückt die neue EU‑Maschinenverordnung stärker in den Fokus – vornehmlich bei Steuerungssicherheit, Software, Manipulationsschutz und Bewegungsrisiken.

 

Fachliche Einordnung

Die neue EN 15194 ist kein formales Update, sondern eine deutliche Verschiebung hin zu Batteriesicherheit, Systemintegration, Steuerungssicherheit und technischer Dokumentation. Besonders kritisch sind alte Batterienachweise, unklare Lieferketten, geänderte Zellchemien, ältere Zertifikate und Lastenräder mit hohen Belastungen.

 

Fazit

Hersteller, Importeure und Händler sollten jetzt ihre Produkte, Zertifikate, Batterienachweise, Risikoanalysen und CE‑Unterlagen überprüfen. Wer weiterhin auf alte Prüfgrundlagen setzt, riskiert Probleme bei Marktüberwachung, Produkthaftung und Versicherbarkeit.

 

Mehr Informationen: www.velotech.de

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