Wie laut muss eine Fahrradklingel eigentlich sein? Und welche Rolle spielt sie für die CE‑Konformität eines Fahrrads? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer praxisnahen Fachschulung der Handwerksinnung für Zweiradmechatroniker München (HaMec). Unter Anleitung von Ernst Brust, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Mikromobilität, führten Auszubildende einen umfangreichen Vergleichstest von Fahrradklingeln nach DIN 33946 durch.
Zehn verschiedene Fahrradklingeln wurden nach den Vorgaben der DIN 33946 geprüft. Die Norm fordert einen mittleren A‑bewerteten Schalldruckpegel von mindestens 85 dB(A).
Die Auszubildenden montierten die Klingeln an einem fest eingespannten Lenker, führten mehrere Messungen pro Klingel durch und dokumentierten die Ergebnisse systematisch. Insgesamt kamen rund 400 Einzelmessungen zusammen – ein vollständiger Prüfablauf von der Vorbereitung über die Messdurchführung bis zur statistischen Auswertung.
Ergebnisse: Nur zwei Klingeln erfüllen die Norm
Die Auswertung zeigte deutliche Unterschiede:
Norm erfüllt (≥ 85 dB(A))
- Klingel Nr. 3
- Klingel Nr. 4
Grenzbereich
- Klingel Nr. 9
Norm nicht erfüllt (< 85 dB(A))
- Klingel Nr. 1
- Klingel Nr. 2
- Klingel Nr. 5
- Klingel Nr. 6
- Klingel Nr. 7
- Klingel Nr. 8
- Klingel Nr. 10
Damit erfüllten nur etwa 20 % der getesteten Klingeln die Anforderungen.
Ernst Brust betont die Bedeutung der Ergebnisse:
„Die Fahrradklingel ist kein Zubehör, sondern eine vorgeschriebene Sicherheitseinrichtung. Wird eine nicht normgerechte Klingel verbaut, kann die CE‑Konformität des gesamten Fahrrads infrage stehen.“
Gerade bei Importware und günstigen Komplettfahrrädern werden Warneinrichtungen oft nicht separat geprüft. Die Schulung zeigte, dass selbst optisch hochwertige Produkte deutliche Defizite aufweisen können.
Die Teilnehmer erhielten Einblicke in professionelle Prüfverfahren, lernten den Umgang mit Messtechnik und die Interpretation normativer Anforderungen.
„Nur wer technische Anforderungen kennt und messtechnisch überprüfen kann, ist in der Lage, Produkte fachgerecht zu bewerten“, so Brust.
Mit Veranstaltungen wie dieser stärkt die Handwerksinnung München die praxisorientierte Ausbildung im Zweiradhandwerk. Die Verbindung aus Normenwissen, Messtechnik und realen Prüfabläufen vermittelt Kompetenzen, die später in Werkstatt, Qualitätswesen und Prüftechnik unverzichtbar sind.
Mehr Informationen: www.velotech.de

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