c’t warnt vor Leistungswettlauf: Droht Pedelecs der Verlust des Fahrradstatus?

Die Diskussion um immer stärkere Pedelec‑Antriebe nimmt Fahrt auf. Das Technikmagazin c’t greift eine Entwicklung auf, die Fachleute seit Jahren kritisch begleiten: Wie weit darf ein EPAC technisch gehen, bevor seine Gleichstellung mit dem Fahrrad nicht mehr haltbar ist? Der öffentlich bestellte Sachverständige Ernst Brust sieht die Branche an einem Wendepunkt.

Wattzahlen sind nicht das eigentliche Problem

Ernst Brust macht deutlich, dass die Debatte häufig am falschen Punkt ansetzt. „Die eigentliche Gefahr besteht nicht darin, dass einzelne Motoren kurzfristig 750 oder 1.000 Watt leisten können. Die Gefahr besteht darin, dass die Branche den Zusammenhang zwischen Leistung, Beschleunigung und Verkehrssicherheit zu lange ignoriert hat.“

Die Frage lautet für ihn nicht, wie viel ein Motor leisten kann – sondern wie sich ein Fahrzeug im Verkehr tatsächlich verhält.

 

Pedelecs sind keine E‑Bikes

Brust betont, dass die öffentliche Diskussion oft unscharf geführt wird. Die meisten als „E‑Bikes“ bezeichneten Fahrzeuge sind rechtlich Pedelecs bzw. EPACs. Sie:

  • unterstützen nur beim Treten,

  • schalten bei 25 km/h ab,

  • besitzen eine Nenndauerleistung von maximal 250 Watt.

Genau deshalb gelten sie rechtlich als Fahrräder – ohne Führerschein, Versicherung oder Zulassung.

 

Die Schwachstelle der aktuellen Gesetzgebung

Die europäische Regelung begrenzt zwar die Nenndauerleistung, lässt aber zentrale Parameter offen:

  • Spitzenleistung

  • Beschleunigung

  • Leistungsgewicht

  • Fahrzeugmasse

  • Fahrdynamik

 

Damit fallen heute sehr unterschiedliche Fahrzeugtypen unter dieselbe Definition.

 

Brust formuliert es so: „Ein klassisches City‑Pedelec und ein modernes Hochleistungs‑Mountainbike mit extrem kräftiger Unterstützung werden rechtlich gleichbehandelt, obwohl sich ihr Fahrverhalten deutlich unterscheidet.“

c’t bestätigt die Sorge der Fachwelt: Leistungswettlauf bei Pedelecs gefährdet langfristig den Fahrradstatus
c’t bestätigt die Sorge der Fachwelt: Leistungswettlauf bei Pedelecs gefährdet langfristig den Fahrradstatus

Warnungen aus Fachgremien – und inzwischen auch aus der Industrie

Seit Jahren diskutieren Normungsausschüsse und Verbände über die Folgen immer stärkerer Antriebe. Mittlerweile warnt auch Marktführer Bosch öffentlich vor politischen Reaktionen, sollte der Leistungswettlauf ungebremst weitergehen.

 

Brust teilt diese Einschätzung: „Wenn immer stärkere Antriebe als Verkaufsargument eingesetzt werden, darf sich niemand wundern, wenn Gesetzgeber irgendwann fragen, weshalb solche Fahrzeuge noch denselben Status wie Fahrräder besitzen.“

 

Warum Wattzahlen wenig aussagen

Für die Verkehrssicherheit seien andere Größen entscheidend:

  • Beschleunigung

  • Fahrzeugmasse

  • Bewegungsenergie

  • Anfahrverhalten

„Die Wattzahl beschreibt nur das Potenzial des Motors. Entscheidend ist, wie stark ein Fahrzeug tatsächlich beschleunigt und wie es sich im Straßenverkehr verhält.“

Zwei EPACs mit identischer Motorleistung können gänzlich unterschiedliche Risiken erzeugen.

 

Vorschlag: Beschleunigung begrenzen statt Leistung

Um den Fahrradstatus langfristig zu sichern, schlägt Brust eine Weiterentwicklung der Regelung vor. Die 250‑Watt‑Begrenzung soll bleiben, aber ergänzt werden durch eine klare Begrenzung der maximalen Beschleunigung.

 

Das würde:

  • die Verkehrssicherheit erhöhen,

  • Fahrzeugtypen vergleichbarer machen,

  • Innovation ermöglichen,

  • und die Sonderstellung des EPAC gegenüber Kraftfahrzeugen schützen.

Die Branche steht an einem Scheideweg

Brust formuliert es deutlich: „Die Branche sollte jetzt selbst handeln, bevor dies irgendwann durch Gesetzgeber oder Behörden geschieht. Das Ziel muss sein, den Fahrradcharakter des EPAC zu erhalten und gleichzeitig technische Innovationen zu ermöglichen.“

 

 

Die Debatte zeigt, dass die bisherige EPAC‑Regelung an Grenzen stößt. Nicht die Motorleistung entscheidet über den Fahrradstatus, sondern das reale Fahrverhalten. Eine Regulierung, die sich an Fahrdynamik orientiert, könnte den Weg weisen.

 

Mehr Informationen: www.velotech.de

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Kommentare: 1
  • #1

    Biker (Mittwoch, 10 Juni 2026 06:46)

    Der Gesetzgeber findet das Thema jetzt aber auch nur interessant weil Brust und Bosch nonstop die Werbetrommel dafür rühren! Alle, die ihren starken Motor der neusten Generation lieben gelernt haben dürfen sich also bei Hr Brust und Bosch bedanken.
    Ein Motorenhersteller, der Angst hat technisch den Anschluss zu verlieren, tauscht sich mit einem Sachverständigen aus, der beim Ebike den alten Fahrradcharakter vermisst, und entwickelt einen perfiden PR-Plan, gegen neue Kontrahenten vorzugehen. Zu deren Glück gibts deutsche Medien, die über jedes Stöckchen springen, das man ihnen hinhält. Peinlich schlecht....

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