Klammheimlich haben sich unsere Fahrradwege in Rennbahnen verwandelt. Eine aktuelle technische Kennfelddarstellung moderner E-Bike-Antriebe zeigt jetzt schwarz auf weiß, was viele im Sattel schon längst spüren: Die Motoren leisten in der Realität ein Vielfaches dessen, was auf dem Papier steht. Trotz der offiziellen Einstufung als harmlose Fahrräder mutieren moderne Pedelecs durch brachiale Beschleunigungswerte immer mehr zu leichten Kleinkrafträdern – mit drastischen Folgen für die Sicherheit.
Die 250-Watt-Illusion: Bis zu 1000 Watt auf der Kette
Die dargestellte Analyse basiert auf einem dreidimensionalen Leistungskennfeld, das den Zusammenhang zwischen Fahrer-Eingangsleistung, Trittfrequenz sowie resultierender Motor-Nettoleistung visualisiert. Dabei wird sichtbar, dass moderne Hochleistungsantriebe insbesondere bei mittleren Trittfrequenzen und hoher Fahrerleistung erhebliche Zusatzleistungen erzeugen. Die nackten Zahlen entlarven die gesetzliche Grauzone: Systeme, die regulatorisch als „250-Watt-Fahrräder“ deklariert sind, erreichen in der Realität mechanische Motorleistungen von bis zu etwa 1000 Watt.
Aus diesen Leistungsdaten lassen sich erhebliche Beschleunigungswerte ableiten. Bei einer typischen Gesamtmasse von Fahrer und Fahrzeug von etwa 120 kg ergeben sich rechnerisch bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h eine mögliche Beschleunigung von ca. 1,2 m/s² und bei 10 km/h theoretisch sogar bis ca. 3,0 m/s². Zum Vergleich: Klassische Fahrräder erreichen typischerweise lediglich etwa 0,2 bis 0,5 m/s². Moderne Hochleistungs-EPACs bewegen sich damit in einem Bereich deutlich erhöhter Fahrdynamik. Besonders kritisch sind dabei Anfahrvorgänge, innerstädtische Konfliktsituationen, enge Radverkehrsinfrastruktur sowie erhöhte Anforderungen an Bremsen, Reifen und Fahrstabilität.
Harte Kritik vom Sachverständigen: Regulierung geht an der Realität vorbei
Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Mikromobilität Ernst Brust sieht in solchen Kennfeldern einen deutlichen Hinweis auf regulatorische Schwächen der aktuellen europäischen EPAC-Klassifizierung. Er fordert ein radikales Umdenken, da die bisherigen Messverfahren die tatsächliche Gefahr im Straßenverkehr komplett verschleiern.
„Die reale Fahrdynamik moderner Pedelecs wird durch die reine 250-Watt-Nenndauerleistung nicht mehr ausreichend beschrieben. Entscheidend für das Sicherheitsverhalten sind tatsächliche Beschleunigung, Momentenabgabe und Spitzenleistung“, erklärt Brust.
Beschleunigungsgrenze gefordert: Rettet den Fahrradcharakter
Weil die Debatte um die reine Motorleistung in die Irre führt, plädiert Brust deshalb erneut für eine regulatorische Diskussion über fahrdynamische Grenzwerte, insbesondere maximale Beschleunigungen, statt einer ausschließlichen Betrachtung von Motorleistung. Der von velotech.de vorgeschlagene Grenzwert von 0,835 m/s² soll gewährleisten, dass der Fahrradcharakter erhalten bleibt, die Beherrschbarkeit gesichert wird, und bestehende Infrastrukturannahmen weiterhin gültig bleiben.
Die Analyse zeigt zudem höhere Lastwechsel, stärkere Bremsbeanspruchungen, größere Reifen- und Rahmenbelastungen sowie potenziell verändertes Konfliktverhalten im Radverkehr. Vornehmlich bei Lastenrädern und schweren EPACs könnten hohe Beschleunigungen die Anforderungen an Infrastruktur, Ausbildung, Prüfwesen und Normung deutlich verändern. Künftige Regelwerke müssen deshalb zwingend auf realitätsnahe Prüfverfahren wie Kraft-Zeit-Diagramme, echte Beschleunigungsmessungen und dynamische Prüfzyklen setzen.
„Die technische Entwicklung moderner EPAC-Systeme ist längst nicht mehr allein über statische Leistungsangaben erklärbar. Entscheidend ist das reale Fahrverhalten im Verkehr“, so Brust.
Zusammenfassung
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Untersuchungsobjekt: Dreidimensionales Leistungskennfeld von EPAC-/Pedelec-Antrieben
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Gemessene Spitzenleistung: Bis zu ca. 1000 Watt real (trotz 250W Nenndauerleistung)
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Rechnerische Beschleunigung (bei 120 kg Gesamtgewicht): Bis zu ca. 3,0 m/s² bei 10 km/h / ca. 1,2 m/s² bei 25 km/h
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Forderung/Grenzwert: Maximaler Beschleunigungswert von 0,835 m/s²
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Prüfverfahren-Vorschlag: Kraft-Zeit-Diagramme, dynamische Prüfzyklen, reale Beschleunigungsmessung

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Albert (Dienstag, 02 Juni 2026 22:34)
Hallo liebes velotech.de Team,
aus der Grafik "Leistungskenndaten moderner EPAC-Antriebe" lese ich, dass der Motor mit niedriger Trittfrequenz mehr Leistung hat!
Bei der Kruzung der Achsen eingebrachte Leistung und Trittfrequenz ist die 560 bstimmt auch falsch,
Bitte überprüft eure Achsenbeschriftung!
Grüß
ein aufmerksammer Leser
Velototal GmbH (Mittwoch, 03 Juni 2026 09:38)
Hallo aufmerksamer Leser. Sie haben recht, wir sehen das bei genauerem Hinsehen genau so. Deshalb haben wir Ihre Anmerkung direkt an Velotech.de weitergeleitet mit der Bitte um eine Stellungnahme. Wir werden den Artikel sofort anpassen, sobald wir Rückmeldung haben.
Beste Grüße und vielen Dank,
Fabian
Velototal
Radfahrer (Donnerstag, 04 Juni 2026 11:33)
Die Grafik zeigt mir, dass man bei ~40er trittfrequenz etwas über 600W Motorleistung bekommt und bei 100er triitfrequenz nur 400W? ... und was soll die 560? Ist die Grafik etwa KI generiert?
wenn das Bio mit 0,5 beschleunigt, und die stärksten Motoren mit 3,0 (also DJI?) dann ist die logische Schlussfolgerung 0,835 als zulässiger Höchstwert? Wieso ausgerechnet 3 Nachkommastellen? Das erscheint doch alles aus der Luft gegriffen, sehr unseriös! Sinnvolle Regulieren - ja klar! zB die 25km/h und die stärker kontrollieren. Das hier macht den Eindruck, dass ewig Gestrige was gegen Ebikes haben. Rettet den Fahrradcharakter - wie lächerlich! Vor 100 Jahren hieß es bestimmt auch "rettet den Kutschencharakter - gegen die Übermotorisierung des Automobils". Und nachdem man gemerkt hat dass ein Auto 20 Ps haben kann, gab es bstimmt auch Regulierungsvorschläge, dass ein Auto nur 2 PS haben darf? in 100 Jahren reden wir mit Sicherheit genauso amüsiert über diese Forderung von Herrn Brust. Herr Brust: schwelgen Sie weiter in der Vergangenheit und lassen Sie den Rest der Radbranche doch bitte das nächste Zeitalter erleben, Sie können ja symbolisch weiter mit der Kutsche rumfahren ;-)
(Diese Zeilen schreibt jemand, der von stark motorisierten Ebikes genauso begeistert ist, als von unmotorisierten Bikes. Jedes Rad hat seinen eigenen Reiz und ich möchte keines von ihnen mehr missen.)