Mobilitätswende jetzt: Bündnis fordert krisenfestes Verkehrssystem von der Bundesregierung

Der Mobilitätsmix macht’s: Resilienz durch Vielfalt  ©Velototal.de / Gemini generated
Der Mobilitätsmix macht’s: Resilienz durch Vielfalt ©Velototal.de / Gemini generated

Ein Jahr nach Amtsantritt der schwarz-roten Bundesregierung, mitten in der Energiepreiskrise, zieht das Bündnis nachhaltige Mobilitätswirtschaft Bilanz – und die fällt gemischt aus. Bundesverband Carsharing, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und Zukunft Fahrrad sprechen gemeinsam Klartext: Deutschland hängt zu sehr am fossilen Tropf, und die Politik tut zu wenig dagegen. Was konkret gefordert wird – und wo die Bundesregierung bereits liefert.

Die Ausgangslage: Energiepreiskrise als Weckruf

Die aktuelle Ölpreisexplosion belastet Haushalte und Wirtschaft gleichermaßen. Für das Bündnis ist das kein Zufall, sondern die logische Konsequenz eines Mobilitätssystems, das strukturell auf fossile Brennstoffe angewiesen ist. Wasilis von Rauch, Sprecher des Bündnisses, wird dabei deutlich:

„Die aktuelle Energiepreiskrise offenbart schonungslos: Ein Mobilitätssystem, das auf fossile Brennstoffe setzt, ist verletzlich für Verbraucher:innen, Unternehmen und die Logistik. Dass die Politik der Bundesregierung dieses strukturelle Problem nicht entschieden anpackt, kostet uns alle Geld – und zwar jeden Tag."

Der zweimonatige Tankrabatt? Für das Bündnis ein teurer, kurzfristiger Tropfen auf den heißen Stein, der das Grundproblem ignoriert.


Zwischenbilanz: Was die Bundesregierung liefert – und was nicht

Das Bündnis erkennt durchaus Fortschritte an – aber benennt auch klare Versäumnisse.

 

Was positiv bewertet wird:

  • Wiederaufnahme der E-Bus-Förderung
  • Finanzierungssicherheit für das Deutschland-Ticket bis 2030
  • Plus 349 Mio. Euro für Radverkehrsförderung im Klimaschutzpaket
  • Stabiler Radverkehrshaushalt 2026 mit 600 Mio. Euro
  • Berücksichtigung von Carsharing bei digitalem Führerschein und EUDI-Wallet

Was kritisiert wird:

  • ÖPNV-Modernisierungspakt noch nicht gestartet
  • Kein Fortschritt bei Trassenpreissystem und GVFG
  • Kürzungen bei Radwegen an Bundesstraßen – trotz direkter Bundesverantwortung
  • Schleppende Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans
  • Keine Förderung für den Carsharing-Einstieg
  • Ladeinfrastruktur-Masterplan ignoriert Mobilitätsmuster von Carsharing-Haushalten

Die Bilanz ist also: Ansätze vorhanden, aber keine konsequente Systemstrategie.


Der blinde Fleck: Antriebsdebatte verdrängt Mobilitätsmix

Ein zentraler Kritikpunkt des Bündnisses ist die politische Verengung der Debatte. Die Frage „Elektro oder Verbrenner?" dominiert – während der eigentliche Hebel für ein krisenfestes Mobilitätssystem woanders liegt: im Mobilitätsmix.

 

Die Zahlen sprechen für sich: Täglich nutzen rund 27 Millionen Fahrgäste den ÖPNV. 41 Prozent der Menschen in Deutschland sind regelmäßig mit dem Fahrrad oder E-Bike unterwegs. Die Zahl der Carsharing-Haushalte steigt. Bahn, Bus, Fahrrad, Carsharing – all das sind Lösungen, die weniger ölabhängig, bezahlbarer und resilienter gegen externe Schocks sind. Und all das wird politisch zu wenig gefördert.


Was das Bündnis fordert

Für ein krisenfestes, sozial gerechtes und flexibles Mobilitätssystem braucht es laut Bündnis:

  • Attraktiven und bezahlbaren ÖPNV – mit verlässlichem Angebot
  • Beschleunigte Bahnmodernisierung – für pünktliche, kapazitätsstarke Verbindungen
  • Förderung der Elektromobilität – für E-Bikes und Autos
  • Ladeinfrastruktur für alle Nutzungsformen – inklusive Carsharing
  • Sichere Radinfrastruktur – auf dem Land und in Städten
  • Mobilitätsbudgets – für mehr Wahlfreiheit zwischen Verkehrsmitteln
  • Förderung von Bike- und Carsharing – als Bausteine eines integrierten Systems
  • Verknüpfung der Verkehrsmittel – nahtlose Umstiege, digitale Buchung, einheitliche Tarife

Von Rauch fasst die Botschaft zusammen:

„Deutschland braucht ein wirtschaftlich und sozial zukunftsfähiges Mobilitätssystem: energieeffizient, flexibel und resilient gegen externe Schocks. Die nachhaltige Mobilitätswirtschaft steht bereit – jetzt braucht es den politischen Gestaltungswillen der Bundesregierung."


Einordnung für die Fahrradbranche

Für alle, die im Radverkehr arbeiten, ist der Appell relevant: Der stabile Radverkehrshaushalt 2026 mit 600 Mio. Euro und die zusätzlichen 349 Mio. Euro im Klimaschutzpaket sind echte Fortschritte. Gleichzeitig sind die Kürzungen bei Radwegen an Bundesstraßen ein Signal, das aufhorchen lässt – gerade weil hier die Bundesverantwortung direkt greift. Die schleppende Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans bleibt ein strukturelles Problem, das die Branche weiter im Blick behalten sollte.


Fazit

Der Appell des Bündnisses ist keine Fundamentalkritik, sondern eine sachliche Zwischenbilanz mit klaren Forderungen. Der Kern: Deutschland braucht nicht nur sauberere Autos, sondern ein breiteres, resilienteres Mobilitätssystem – und das Fahrrad ist darin ein zentraler Baustein. Ob die Bundesregierung den Gestaltungswillen aufbringt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

 

 

Mehr Informationen: www.zukunft-fahrrad.org und https://nachhaltige-mobilitaetswirtschaft.de/

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