Fahrradbranche unter der Lupe: Studie enthüllt gläserne Decke für Frauen – Forderung nach Fairness wird laut

Women in Cycling auf der Eurobike 2025 ©Velokonzept
Women in Cycling auf der Eurobike 2025 ©Velokonzept

Die deutsche Fahrradbranche befindet sich im Wandel, doch eine neue, umfassende Studie wirft die Frage auf, wie chancengerecht und inklusiv sie tatsächlich ist. Die bislang größte Untersuchung zur Situation von Frauen in der Fahrradwirtschaft, durchgeführt von der Universität Kassel, der Hochschule RheinMain, Women in Cycling Germany und dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), beleuchtet erstmals systematisch die Arbeitsbedingungen und zeigt deutliche strukturelle Barrieren auf.

Mit über 680 Befragten, davon 44 % Frauen, liefert die Studie „Arbeitsbedingungen in der Fahrradbranche“ alarmierende Ergebnisse:

  • Führungspositionen bleiben männlich dominiert: Nur 30 % der Top-Management-Posten sind weiblich besetzt. Im Handel und in der Produktion sinkt dieser Anteil sogar auf magere 22–23 %.

  • Gläserne Decke beim Einkommen: Frauen sind in höheren Gehaltsklassen massiv unterrepräsentiert und empfinden insbesondere bei Gehalt und Aufstieg eine eklatante Benachteiligung.

  • Klarer Wunsch nach Veränderung: Die Befragten äußern den dringenden Wunsch nach höherer und gleichberechtigter Bezahlung, flexiblen Arbeitszeitmodellen und sichtbaren weiblichen Vorbildern in Führungspositionen. Besonders in Handel, Vertrieb und Produktion erleben Frauen unfaire Aufgabenverteilung und eine ungleiche Arbeitslast.

Politik und Branche in der Pflicht:

Die Ergebnisse der Studie rufen nach konkreten Maßnahmen. Petra Kammerevert (MdEP, SPD) fordert gleiche Chancen für Frauen in allen Wirtschaftsbereichen und betont die Notwendigkeit von „mehr Frauen in Führungspositionen, um die Gesellschaft als Ganzes voranzubringen.“ Auch der ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork erkennt den Handlungsbedarf: „Die Ergebnisse der Studie werden uns als ZIV und die Branche beschäftigen. Es braucht mehr Diversität, um die Potenziale der Branche zu heben.“

Dr. Sandra Wolf, Geschäftsführerin von Riese & Müller GmbH, unterstreicht die Notwendigkeit der Professionalisierung: „Gerade in dieser Phase, in der sich die Fahrradbranche befindet, brauchen wir Strukturen. Und gerade das fordern auch Frauen ein, um sich entfalten zu können und ein Umfeld vorzufinden, wo wirklich diskriminierungsfrei und im Menschsein gearbeitet werden kann.“

 

Andrea Kurz von JobRad GmbH ergänzt: „Es benötige mehr klare Ziele, Vernetzung und auch eine Professionalisierung, um mehr Frauen in die Branche zu bringen.“

 

Isabell Eberlein von velo_konzept GmbH und Women in Cycling Germany sieht die Arbeit jetzt erst richtig beginnen: „Wir haben die Datengrundlage, wir wissen, dass es einen enormen Gender-Daten-Gap gibt. Das heißt, wir müssen jetzt in Formate investieren, in Networking, in Mentoring, in Weiterbildung und uns Frauen fit machen. Aber nicht nur das, sondern auch die strukturelle Ebene.“

 

Die Studie macht deutlich: Die Fahrradbranche steht vor einer wichtigen Aufgabe, ihre Arbeitsbedingungen inklusiver und chancengerechter zu gestalten. Nur so kann sie ihr volles Potenzial ausschöpfen und eine nachhaltige Zukunft aufbauen, die allen Mitarbeitenden gerecht wird.

 

Weitere Informationen zur Studie und zu den Initiativen finden Sie unter:


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