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Cross over: Die Querfeldeinsaison von Italo-Star Eva Lechner im Rückblick

Die Cross-Etappen von Eva Lechner textlich exklusiv für VeloTotal von Josef Bernhart zusammengefasst. Wobei auch auf die Siegerinnen in den jeweiligen Wettbewerben nicht vergessen wurden.

Schlammschlacht: Eva Lechner beendet eine respektable Cross-Saison (Bettini-Foto)
Schlammschlacht: Eva Lechner beendet eine respektable Cross-Saison (Bettini-Foto)

Auftakt nicht nach Maß

 

Für Italiens beste Profibikerin beginnt die Cross-Saison 2020-21 am 29. November 2020. Der Auftakt im tschechischen Tabor gelingt jedoch nicht. Ein Sturz verhindert eine Top-Platzierung. Mit Schmerzen und Verletzungen an beiden Knien kämpft sie sich ins Ziel und wird am Ende 26. Knapp einen Monat später läuft es schon wieder rund. Eva Lechner fährt am 20. Dezember 2020 im belgischen Namur als Zehnte über die Ziellinie, zwei Minuten und 42 Sekunden hinter Siegerin Lucinda Brand aus den Niederlanden. Eine Woche später bestätigt sie ihre gute Form mit einem 13. Platz in Dendermond (Belgien).

 

 

 

Wie das alte so das neue Jahr

 

Das Jahr 2021 beginnt wie das alte geendet hat. Mit Masken und Abstandsregeln abseits des Parcours und ohne Publikum bei den Veranstaltungen. So auch beim Cross-Weltcup im niederländischen Hulst. Ein Rennen als fester Bestandteil in den ursprünglichen Planungen von Eva Lechner. Doch sie entscheidet sich kurzfristig anders. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation und um sich mental besser zu fokussieren. Vor allem auf die anstehenden Cross-Weltmeisterschaft am 31. Januar 2021 in Ostende (Belgien). Dafür nimmt sie an nationalen Bewerben teil und gewinnt. So beim Cross-Rennen um die Trophäe der Stadt Cremona, zugleich als regionale Meisterschaften der Lombardei gewertet. Mit dabei ein ganz Großer des italienischen Radsports. Fabio Aru, Sieger der Spanienrundfahrt 2015, mehrfacher Giro-Etappensieger und Träger des Gelben Trikots bei der Tour de France 2017. Beim Weltcuprennen in Hulst ohne Eva Lechner fährt ein niederländisches Triumvirat aufs Podest. Es siegt Denise Betsema vor der bisherigen Seriengewinnerin Lucinda Brand und Weltmeisterin Ceylin Del Carmen Alvarado. Damit gehören die niederländischen Damen wie schon so oft zu den unangefochtenen WM-Favoritinnen.

 

 

 

Bronze bei Italienmeisterschaften

 

Bevor es soweit ist, werden in Italien am Sonntag, 10. Januar 2021 in Lecce (Apulien) die nationalen Meistertitel im Radcross vergeben. Eva Lechner tritt als amtierende Cross-Meisterin an. Mehr noch. Seit 2012 ist sie im Cyclocross ununterbrochen  Elite-Italienmeisterin mit insgesamt 11 Titeln (auch 2009 und 2010) in dieser Disziplin insgesamt. Trotz eines gelungenen Starts findet Eva Lechner nicht mehr richtig in das schnelle Rennen, fühlt sich steif und nervös, wie sie nach dem Rennen sagt. Aufgrund eines kleinen Fahrfehlers und auch deshalb, weil Eva Lechner kurz vor Schluss noch wegen einer überrundeten Fahrerin bremsen muss, bleibt ihr diesmal nur Bronze, 25 Sekunden hinter der Siegerin und zwei Sekunden hinter Chiara Teocchi.

 

 

 

Guter Weltcupabschluss

 

Am 24. Januar, dem Sonntag des Kitzbüheler Hahnenkammrennens wird im belgischen Overijse die letzte Etappe im Querfeldeinweltcup ausgetragen. Ein starkes italienisches Aufgebot mit sechs Damen steht am Start. Gewohnt motiviert fährt Eva Lechner trotz anfänglicher Probleme mit dem Rad ein solides Rennen. Der Parcour erinnert an die großen Rennradklassiker im Frühjahr, an Paris-Roubaix beispielsweise mit seinem rutschigen Kopfsteinpflaster, ober an die berüchtigte Mauer von Geraardsbergen bei der Flandernrundfahrt. Schnelle Asphalt- und schwierige Schlammpassagen wechseln sich immer wieder ab. Fünf Runden und 14,5 Kilometer sind insgesamt zu fahren. Vorneweg entwickelt sich ein Duell zwischen der amtierenden Weltmeisterin Ceylin Del Carmen Alvarado und ihrer Landsfrau Lucinda Brand. Am Ende siegt die Frau im Regenbogentrikot vor Lucinda Brand, die den Sprint gegen die junge Manon Bakker, ebenfalls aus den Niederlanden gewinnt und damit auch den Gesamtweltcup. Eva Lechner kommt mit zunehmendem Rennverlauf immer besser in Tritt, wird zwischenzeitlich in der Bergwertung um die „Queen of the Hill“ sogar als Dritte gewertet und fährt am Ende mit einer Minute und 41 Sekunden Rückstand auf Platz 13.

 

 

 

Fast Top 10 bei WM

 

Das WM-Rennen am Sonntag, 30. Januar 2021 in Ostende an der belgischen Küste hat alles, was ein Crossrennen ausmacht. Und noch mehr. Regenbedingt aufgeweichter Rasen und Schlamm, dazu tiefer Sand und ein anspruchsvoller Abschnitt unmittelbar am Meer mit eisigem Gegenwind. Kaum einmal findet sich ein derart schweres Terrain. Ein dramatischer Beginn mit dem Sturz der Titelverteidigerin Ceylin del Carmen Alvarado macht es auch Eva Lechner schwer, ihren Rhythmus zu finden. Vorneweg setzt sich eine niederländische Phalanx immer weiter ab und macht den Sieg unter sich aus. Am Ende gewinnt eine herausragende Lucinda Brand, ihres Zeichens bereits Weltcupgesamtsiegerin vor Annemarie Worst und Denise Betsema. Je länger das Rennen dauert, desto besser kommt Eva Lechner voran. Ihre letzte Runde ist die beste und die Top 10 sind in Reichweite. Mit zwei Minuten und 18 Sekunden Rückstand auf die neue Weltmeisterin wird sie schließlich als beste Italienerin gute Elfte, nur 10 Sekunden hinter der Luxemburgerin Christine Majerus und noch fünf Sekunden vor der niederländischen Cross-Legende Marianne Vos.

 

 

 

Vom Cross aufs Mountainbike

 

Die Querfeldeinsaison 2020-21 endet für Eva Lechner wie sie insgesamt verlaufen ist. Nicht überragend, aber respektabel.  Am ersten Februarwochenende fährt sie in Belgien zum Abschluss der Superprestige-Serie in Middelkerke auf den 13. Platz. Einen Tag später, am Sonntag 7. Februar 2021 beim Krawetencross in Lille kommt Eva Lechner in die Top 10. Damit sind die Schlammschlachten vorerst einmal geschlagen. Zum Verschnaufen bleibt aber wenig Zeit, denn die Vorbereitungen auf die Mountainbikesaison im Olympiajahr beginnen umgehend.

 

 

Text: Dr. Josef Bernhart (für velototal.de)