
Die europäische Schnellwarnplattform „Safety Gate“ warnt aktuell mit der Meldung SR/00094/26 vor einem elektrischen Lastenfahrrad der Marke Addbike. Aufgrund akuter Bruchgefahr der Vordergabel wurde für alle Chargen ein Rückruf eingeleitet, da bei einem Versagen des Bauteils schwere Stürze und Verletzungen drohen.
Erste technische Bewertungen deuten darauf hin, dass möglicherweise nur Rahmen und Gabel als Einzelkomponenten geprüft wurden, statt das verwendungsfertige Gesamtprodukt einer Validierung zu unterziehen.
Ernst Brust, Sachverständiger für Mikromobilität, betont in diesem Zusammenhang, dass bei Lastenrädern eine isolierte Bauteilprüfung nicht ausreicht. Die tatsächliche Belastung für sicherheitsrelevante Teile wie die Gabel ergibt sich erst durch:
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Die Kombination aus Rahmen, Gabel und Transportmodul.
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Deutlich höhere Gesamtmassen und eine veränderte Schwerpunktlage.
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Zusätzliche Torsions- und Bremsmomente sowie dynamische Stöße im Fahrbetrieb.
Rechtliche und technische Einordnung
Das betroffene Fahrzeug verstößt laut Safety-Gate-Meldung sowohl gegen die Maschinenrichtlinie als auch gegen die Norm EN 15194 (EPAC). Rechtlich ist dies kritisch, da das Produkthaftungsgesetz auf das verwendungsfertige Produkt abstellt. Hersteller tragen das Haftungsrisiko für das Gesamtsystem in dem Zustand, in dem es dem Verbraucher bereitgestellt wird.
Der Fall verdeutlicht die Relevanz der neuen Norm EN 17860 für elektrische Lastenräder und ist ein deutliches Signal an die Branche: Nur eine vollständige Systemprüfung unter realistischen Einsatzbedingungen kann schweres Strukturversagen wirksam verhindern.

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