Sicherheit im Fokus: ADFC fordert Qualitätsradwege und neue Alkoholgrenzwerte

"Nur mit sicheren Radwegen gibt es sicheren Radverkehr." © IGphotography
"Nur mit sicheren Radwegen gibt es sicheren Radverkehr." © IGphotography

Am 28. Januar 2026 rückt der Verkehrsgerichtstag in Goslar die Sicherheit des Radverkehrs ins Zentrum der Debatte. Während Experten über strengere Vorschriften und das Thema Alkohol am Lenker diskutieren, mahnt der ADFC – Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. – grundlegende Reformen an. Angesichts steigender Unfallzahlen fordert der Verband primär eine Infrastrukturoffensive, signalisiert jedoch auch Zustimmung zu einer Anpassung der Promillegrenzen für Radfahrende.

Für den ADFC steht fest: Nur durch bauliche Maßnahmen lässt sich die „Vision Zero“ – ein Straßenverkehr ohne Getötete und Schwerverletzte – erreichen. Aktuell verlieren jährlich über 400 Menschen auf dem Fahrrad ihr Leben, rund 90.000 werden verletzt. Besonders kritisch ist die Lage auf Landstraßen: Dort ereignen sich 40 Prozent der tödlichen Unfälle, obwohl dort nur zehn Prozent des Radverkehrs stattfinden.

Hauptprobleme der aktuellen Radwege:

  • Marode Oberflächen, zu geringe Breiten und unübersichtliche Führung.

  • Fehlende Trennung von Geradeaus- und Abbiegeverkehr an Kreuzungen.

  • Mangelhafte Pflege und Räumung im Winter.

  • Gefährliche Überholmanöver durch Autos bei fehlender Infrastruktur.

ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann betont, dass Maßregelungen allein zu kurz greifen. Priorität müsse der Ausbau sicherer, ganzjährig befahrbarer Radwegenetze und die Einführung von flächendeckendem Tempo 30 in Städten haben.

Vorschlag für einen neuen Alkohol-Gefahrengrenzwert

Obwohl Alkoholunfälle weniger als zehn Prozent des Unfallgeschehens ausmachen, ist ihr Anteil zuletzt gestiegen. Der ADFC empfiehlt daher die Einführung eines zusätzlichen Gefahrengrenzwertes von 1,1 Promille.

Bisher gilt:

  • Ab 1,6 Promille: Absolute Fahruntüchtigkeit und Strafbarkeit.

  • Vorschlag 1,1 Promille: Einführung eines Grenzwertes analog zum Autoverkehr, dessen Überschreitung als Ordnungswidrigkeit geahndet werden kann.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Fahrunsicherheit bereits im Bereich ab 0,8 Promille signifikant zunimmt. Ein zusätzlicher Grenzwert soll hier präventiv wirken und schwere Unfälle verhindern.

 

Appell an das Miteinander und die Regeltreue

Neben staatlichen Maßnahmen nimmt der ADFC alle Verkehrsteilnehmenden in die Pflicht. Autofahrer werden gemahnt, Radwege freizuhalten, Abstände beim Überholen einzuhalten (1,5 m innerorts/2 m außerorts) und den Schulterblick konsequent anzuwenden. Gleichzeitig müssen Radfahrende durch die Nutzung korrekter Fahrflächen und erhöhte Aufmerksamkeit an Einmündungen ihren Beitrag leisten. Laut ADFC-Fahrradklima-Test 2024 fühlen sich über 70 Prozent der Radfahrer im Verkehr unsicher – ein Zustand, den nur ein besseres Miteinander und eine sicherere Infrastruktur ändern können.

 

Weitere Informationen unter: www.adfc.de

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