Illegale E-Bike-Umrüstkits: Ein wachsendes Risiko für Sicherheit und Fahrradbranche

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Ein aktueller Fall aus dem europäischen Schnellwarnsystem Safety Gate zeigt erneut, wie groß die sicherheitstechnischen und regulatorischen Risiken durch leistungsstarke E-Bike-Umrüstkits aus Drittstaaten inzwischen sind. Ein Umrüstkit mit 72-V-System, Sinus-Controller (60 A) und Nabenmotor wurde von den Behörden gestoppt, da es weder den grundlegenden Sicherheitsanforderungen noch den geltenden EU-Vorschriften entspricht.

 Was wurde beanstandet?

Nach Angaben der EU-Kommission wurde ein Umrüstkit unbekannter Marke (Modell 72FF-DGR D25071505) aufgrund schwerwiegender Mängel an der EU-Grenze zurückgewiesen. Die Beanstandungen im Detail:

  • Fehlende Dokumentation: Das Produkt weist unzureichende Montageanleitungen und fehlende Sicherheitswarnungen auf.

  • Gefährliche Fehlanwendung: Anwender werden dazu verleitet, herkömmliche Fahrräder unsachgemäß und unsicher umzurüsten.

  • Extreme Leistungsüberschreitung: Das System ermöglicht Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 86,9 km/h und liegt damit weit außerhalb der gesetzlichen EPAC-Definition.

  • Rechtliche Unzulässigkeit: Die Komponenten sind nicht mit der Maschinenrichtlinie konform.

Gefahren für die gesamte Branche

Der Import illegaler Hochleistungs-Kits stellt ein systemisches Problem für Hersteller, Handel und Werkstätten dar. Übermotorisierte Umbauten führen zu unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr und schädigen das Image regelkonformer Pedelecs. Jeder dokumentierte Unfall mit derartigen Systemen erhöht die Wahrscheinlichkeit für pauschale gesetzliche Verschärfungen, die auch konforme Produkte treffen könnten. Zudem entsteht im Handel eine erhebliche Rechtsunsicherheit bei der Abgrenzung zwischen zulässigem Zubehör und verbotenen Antriebssystemen.

 

Forderungen an die Fahrradwirtschaft

Um einen „regulatorischen Flächenbrand“ zu verhindern, muss die Branche laut Expertenmeinung entschieden gegensteuern. Folgende Maßnahmen werden als notwendig erachtet:

  • Klare Distanzierung: Industrie und Verbände müssen sich deutlich von nicht konformen Umrüstkits abgrenzen.

  • Gezielte Aufklärung: Handel und Endkunden benötigen fundierte Informationen über die rechtlichen und technischen Risiken solcher Umbauten.

  • Marktüberwachung: Eine konsequente Unterstützung der Behörden bei der Identifizierung gefährlicher Produkte ist essenziell.

  • Präzise Kommunikation: Eine saubere begriffliche Trennung zwischen Pedelecs, E-Bikes und motorisierten Kraftfahrzeugen muss in der Außenwirkung etabliert werden.

Die Branche ist aufgerufen, die Glaubwürdigkeit des EPAC-Systems aktiv zu schützen, bevor illegale Umrüstkits die Grundlage für sichere, geprüfte Pedelecs untergraben.

 

 

Weitere Informationen unter: https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/

 

Quelle: www.velotech.de

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