VeloTOTAL-Test: PLEV TECHNOLOGIES — Steereon C25

Mit dem Steereon C-Modell hat das Kölner Unternehmen PLEV Technologies etwas Besonderes geschaffen. Das wollten wir aber selbst erfahren und haben das C25-Modell für einige Zeit bedingungslos für einen Test zur Verfügung gestellt bekommen. Unser Fazit: Eine andere, sehr moderne Art der urbanen Mobilität.
Text und Bilder: VeloTOTAL - Chefredakteur Andreas Burkert

Im Hafen von Greetsiel bietet der Steereon C25 die Möglichkeit, mal schnell vom Kutter bis zur nächsten Hafenkneipe zu fahren. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht, kann ein Normaleuropäer noch knapp 50 kg Zuladung mitnehmen. © Velototal / Andreas Burkert
Im Hafen von Greetsiel bietet der Steereon C25 die Möglichkeit, mal schnell vom Kutter bis zur nächsten Hafenkneipe zu fahren. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht, kann ein Normaleuropäer noch knapp 50 kg Zuladung mitnehmen. © Velototal / Andreas Burkert

Summ, summ mal schnell irgendwo hin. Am besten stehend, denn dann wirkt es cool. Zwar bietet das Steereon C-Modell, einer Art Hybrid aus eScooter und eBike, auch eine höhenverstellbare Sitzgelegenheit. Doch das Gefühl, auf einem Seniorenmobil zu sitzen, lässt mich während der Testwochen nicht los. So stehe ich lieber auf dem Gefährt, und setze mich nur, wenn ich mich ausruhen möchte. Der Unterschied in der Außenwirkung ist dann aber beachtlich. Während im Sitzen kaum einer Notiz nimmt , erhalte ich stehend anerkennende Blicke.

 

Für zwei Wochen hat uns das Kölner Startup PLEV Technologies das Fahrzeug bedingungslos zur Verfügung gestellt. Allerdings mit dem Hinweis, dass es sich um ein zulassungspflichtiges Elektrofahrzeug handelt und daher das Tragen eines Helms gesetzlich vorgeschrieben ist. Bei einer maximalen Geschwindigkeit von knapp über 25 km/h ist das auch nur vernünftig. Den Hinweis allerdings, dass mit dem eScooter kürzere Strecken zurückgelegt werden können, können wir nicht nachvollziehen. Während unserer Testfahrten entlang der Isarauen, vor allem aber entlang der endlosen Weiten in Ostfriesland, fuhren wir knapp 47 Kilometer mit einer Energieladung. Immer dem Wind entgegen. Der Hersteller gibt eine maximale Reichweite von 50 Kilometern an.

Weil der Kofferraum eines Volkswagen Cabriolets um wenige Zentimeter zu klein ist, kam der eScooter kurzerhand auf die Rückbank. © VeloTOTAL / Andreas Burkert
Weil der Kofferraum eines Volkswagen Cabriolets um wenige Zentimeter zu klein ist, kam der eScooter kurzerhand auf die Rückbank. © VeloTOTAL / Andreas Burkert

Erstaunlich maximale Reichweite
An jenem Tag fällt auf, dass es doch eine gute Gelegenheit gewesen wäre, eine Gepäckablage – in welcher Art auch immer – zu konstruieren. Zwar können manche Gegenstände in den Rucksack gepackt werden, doch der schnelle Griff zur Wasserflasche auch auf kürzeren Fahrten wäre hilfreich. Und wenn zudem noch Verpflegung mit soll, dann ist eine Gepäckverstaumöglichkeit unabdingbar. Das und noch die teils wackelige Stabilität beim einhändigen Fahren sind die einzigen Kritikpunkte. Vielleicht noch das Gewicht. Denn wer den eScooter in den Kofferraum räumen oder mal einige Treppen hinauftragen möchte, der muss rund 21 Kilogramm heben.
Hilfreich ist es dann, den 672 Wh Lithium-Ionen-Akkumulator zu entnehmen, der etwa 4 Kilogramm wiegt. Doch die hohe Kapazität ermöglicht es, die maximale Reichweite ohne Sorgen zu erreichen. Selbst längere Steigungen von etwa 21 Prozent – so gibt es das Datenblatt an - bewältigt der 500-Watt-starke Radnabenmotor kompromisslos. Dieser wird über einen kleinen Schalter am Lenker betätigt. Allerdings lässt sich damit die Geschwindigkeit nur begrenzt genau regulieren. Dieser schlecht dosierbare Antrieb aber ist ein Kompromiss an die Ansteuerung von Radnabenmotoren. Zur Geschwindigkeitssteuerung empfiehlt es sich, über die Bedieneinheit die Leistungsstufe einstellen und dann immer mit ganz durchgedrücktem Daumengas zu fahren.

Fahren mit Klasse L1-eB
Die uns zur Verfügung gestellte Variante ist als Fahrzeug der Klasse L1-eB zugelassen und somit rechtlich gleichzusetzen mit dem Mofa. Konkret bedeutet dass, der Steereon C25 mit der Fahrerlaubnisklasse AM (Mopedführerschein) geführt werden darf. Die Nutzung ist damit auf der Straße, auf Mofa-frei Fahrradwegen innerorts sowie auf amtlichen Fahrradwegen außerorts erlaubt. Wer mit dem eScooter auf größere Reisen gehen möchte, der kann ihn auf die Maße 112-32-70 Zentimeter zusammenfalten. Dann passt er – bis auf wenige Ausnahmen – in jeden Kofferraum. Eine optional erhältliche Transporttasche bietet zusätzlichen Schutz beim Transport. Natürlich ist auch der Transport im öffentlichen Nahverkehr, auf dem Boot oder im Camper-Van unproblematisch machbar.
Damit lässt sich der Steereon C25 fast für jede Gelegenheit nutzen. Selbst auf sandigem Untergrund oder im hohen Gras. Dennoch sollte bei allen Fahrmanövern beachtet werden, dass die Fahreigenschaften wegen der kleinen Reifen und der Lenkgeometrie herausfordernd sind. Das Fahrzeug reagiert sehr schnell auf Lenkeinschläge wie auch auf die Gewichtsverlagerung von einem auf das andere Bein. Etwas Übung aber genügt, wie der Nachwuchs der Redaktion auf einem privaten Gelände getestet hat. Herausfordernder ist da schon das Verladen in den Kofferraum beziehungsweise auf den Rücksitz eines Volkswagen Cabariolets. Denn der Platz genügt nicht, um den eScooter dort unterzubringen.

Obacht beim Verladen. Werden dabei die Steckverbindungen getrennt, lässt sich der C25 nicht mehr starten.  © VeloTOTAL / Andreas Burkert
Obacht beim Verladen. Werden dabei die Steckverbindungen getrennt, lässt sich der C25 nicht mehr starten. © VeloTOTAL / Andreas Burkert

Finanzielle Förderung möglich

Wer nun regelmäßig das eFahrzeug verladen oder transportieren möchte, der sollte die Transporttasche nutzen. Die kostet zwar 149 Euro, dafür kann der C25 auch in der Bahn mitgenommen werden. Die Tasche hat zudem den Vorteil, dass auch der eScooter geschützt ist. Während einer Verladeaktion hat sich der Kabelstrang, der entlang des Lenkers verläuft verhakt. Mit der Konsequenz, dass sich die Steckverbinder gelöst haben und das Starten wie auch das Bremsen unmöglich war. Wegen der Schutzumwicklung war dies nicht sichtbar.

 

Mit 2.999 Euro ist der Preis auf dem ersten Blick gewöhnungsbedürftig. Doch die Qualität der Komponenten - das Unternehmen nutzt hochwertige Markenkomponenten aus der Fahrrad- und eBike Branche und achtet auf eine lokale Wertschöpfungs- und Zuliefererkette – rechtfertigt den Preis ebenso wie das breite Einsatzspektrum. Darüber hinaus können staatliche Förderungen beansprucht werden.

 

Weitere Infos

 

Die hochwertigen hydraulischen Bremsen funktionieren selbst bei starkem Regen einwandfrei. © VeloTOTAL / Andreas Burkert
Die hochwertigen hydraulischen Bremsen funktionieren selbst bei starkem Regen einwandfrei. © VeloTOTAL / Andreas Burkert