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eBikes von General Motors im ersten Fahrtest

Anlauf © General Motors
Anlauf © General Motors

Mit zwei Pedelec-Modellen will der Automobilkonzern General Motors die Mobilität für Stadtpendler verbessern. Unter der Marke Ariv werden das Kompakt-Pedelec Meld (2734 Euro) und das faltbare Merge (3329 Euro) über den Direktvertrieb angeboten. Den Wartungsservice übernimmt der mobile Dienstleister Live Cycle. Einen ersten Fahreindruck haben wir uns bei der Deutschlandpremiere in München verschafft.

(Text Andreas Burkert)

Ein kleines StartUp aus den Vereinigten Staaten ist in der Radlhauptstadt München angetreten, die Mobilität, wie wir sie kennen, „neu zu definieren“. Das erzählt uns gleich zu Beginn Hannah Parish, Direktorin von Ariv. Die junge Dame arbeitet seit Kurzem bei dem jungen Unternehmen, das zum Automobilkonzern General Motors gehört und der mit seinen beiden ersten Pedelec nun auch den Markt für die Fahrradmobilität erobern möchte.

 

In einem Innenhof mitten in München durften wir erst mal das Meld, wie auch das faltbare Merge zu einer Testfahrt ausführen. Damit hat General Motors seine Ankündigung wahr gemacht, die eBikes, neben den Niederlanden und Belgien, zuerst in Deutschland auf den Markt zu bringen.

Der 250 Wh-Lithium-Ionen-Akkumulator lässt sich aus dem Rahmen heraus nehmen. © Andreas Burkert
Der 250 Wh-Lithium-Ionen-Akkumulator lässt sich aus dem Rahmen heraus nehmen. © Andreas Burkert

Eine Besonderheit der beiden Räder ist das gebogene, stark ausgeführte Oberrohr aus Aluminium, an dem auch der Mittelmotor befestigt ist. Wegen dieser Konstruktion brauchen weder Meld noch Merge ein Unter- beziehungsweise Sitzrohr. Im Zusammenspiel mit den nur 16 Zoll großen Reifen, wirken die Pedelecs deshalb futuristisch. Das Singlespeed wird von einem GM-eigenen Motor angetrieben und hat einen voll integrierten 250-Wh-Akkumulator, der sich mit wenigen Handgriffen aus dem Rahmen entnehmen und innerhalb von drei Stunden an einer gewöhnlichen Steckdose vollladen lässt. Laut Datenblatt sind dann Reichweiten von bis zu 64 Kilometern möglich. Für unsere erste Testfahrt genügt also eine Akkuladung.

Die 16x1-3/8 VeeTire Goodie Goodie-Reifen fallen mit ihren reflektierenden Seitenwänden auf. © Andreas Burkert
Die 16x1-3/8 VeeTire Goodie Goodie-Reifen fallen mit ihren reflektierenden Seitenwänden auf. © Andreas Burkert

Ohne Gepäckträger aber mit einer 8-Gang-Automatik

Soeben ausreichend war allerdings die Sitzhöhe. Weil sich der Sattel nicht weiter ausziehen lässt, haben Personen größer 1,80 Meter ihre Probleme, gemütlich darauf zu fahren. Vermutlich wurde die maximale Sitzhöhe auch deshalb begrenzt, weil die Tragkraft des Rahmens, laut des Datenblatts, nicht mehr als 100 Kilogramm betragen sollte. Davon abgesehen, genügen die Fahreigenschaften den Anforderungen der Stadt. Während in der Standardausstattung der Modelle Ariv Merge und Meld integrierte, aufladbare LED-Front- und Rückleuchten gehören, ist das Anbringen eines gewöhnlichen Gepäckträgers nicht möglich. Weil die Frontleuchte (65 Lumen) über den Vorbau ragt, ist auch die Montage eines Lenkerkorbs nicht zu empfehlen. Das LED-Rücklicht ist im Sattelrohr integriert. 

Groß ins Geschäft für Kompakt-Pedelecs will nun General Motors mit der Marke Ariv einsteigen. © Andreas Burkert
Groß ins Geschäft für Kompakt-Pedelecs will nun General Motors mit der Marke Ariv einsteigen. © Andreas Burkert

Ein weiteres markantes Bauteil sind die etwas überdimensionierten Bremsscheiben, die das etwa 20 Kilogramm schwere Rad,  zu dem noch das Gewicht des Fahrer addiert werden muss, sicher zum Stehen bringen. Für den Antrieb hat General Motors den Mittelmotor nach eigenen Vorgaben entwickelt und produziert. Die 75 Newtonmeter Drehmoment, laut Hersteller, werden über eine automatisierte 8-Gang-Schaltung von Shimano auf das Hinterrad übertragen und beschleunigen das Pedelec inklusive vierstufiger Pedalunterstützung auf die zulässigen 25 km/h. Je nach Beanspruchung kann mit einer Batterieladung eine Reichweite von bis zu 64 Kilometern erzielt werden. Für den urbanen Verkehr eine angemessene Strecke.

Hannah Parish, Direktorin von Ariv, stellt in München die Pedelec-Modelle von General Motors vor. © Andreas Burkert
Hannah Parish, Direktorin von Ariv, stellt in München die Pedelec-Modelle von General Motors vor. © Andreas Burkert

General Motors Ariv Meld im ersten Fahrtest

Allerdings enttäuschen die Geräuschentwicklung des 250 Watt starken Motors wie auch die Abstimmung des gesamten Antriebsstrangs. Mit einem doch stark bemerkbaren Surren unterstützt der Elektromotor den Antrieb. Auch dass der Motor mit einer Latenzzeit von etwas unter einer Sekunde nachläuft, stört das Radeln in der Stadt. Positiv ist hingegen die Ariv eBike-App, die sich bequem mit dem Meld koppeln lässt. Angezeigt werden auf dem eigenen Smartphone Fahrstatistiken, wie Geschwindigkeit und Distanz, Antriebsstufe des Elektromotors und verbleibende Akkulaufzeit. 

Die Ariv eBike-App lässt sich bequem mit dem Meld koppeln. © Andreas Burkert
Die Ariv eBike-App lässt sich bequem mit dem Meld koppeln. © Andreas Burkert

Geplant ist auch eine Touren-Planung, „die es dem Fahrer erlaubt, schweißfrei ans Ziel zu kommen“, so das Versprechen des Unternehmens. Das Laden des Smartphones erfolgt im Übrigen über einen USB-Anschluss. Ladezustand und Fahrstufe werden zusätzlich über ein integriertes LED-Display im Rahmen angezeigt. Wer sich für das Rad interessiert, kann es per Direktvertrieb direkt über die Homepage des Herstellers bestellen. Geliefert wird per Spedition von einem Lager in Belgien aus. Weil es keine Händler in Deutschland gibt, wurde ein Servicevertrag mit dem mobilen Dienstleister Live Cycle aus München abgeschlossen.