Urs Huber und Esther Süss gewinnen MTB-Marathon-Schweizer-Meisterschaften in Grindelwald

Urs Huber ist Schweizer Meister © Sportograf
Urs Huber ist Schweizer Meister © Sportograf

 

Bis auf das frühe, defektbedingte Ausscheiden von Titelhalter Christoph Sauser, endeten die von grossen Zeitrückständen geprägten Schweizer Marathonmeisterschaften an der Eiger Bike Challenge im Rahmen der Erwartungen.

 

Urs Huber holte sich das zweite Meistertrikot vor Lukas Buchli und iXS-classic-Leader Jérémy Huguenin. Bei den Frauen schwang Esther Süss bereits zum fünften Mal obenaus, diesmal vor Titelverteidigerin Ariane Kleinhans und Milena Landtwing.

Früh waren die Positionen um die Medaillenränge bezogen, nachdem Christoph Sauser bereits nach der ersten langen Abfahrt vom First defektbedingt die Segel streichen musste. Bei idealen äusseren Bedingungen übernahm sofort Urs Huber das Zepter, gefolgt von Lukas Buchli. Nachdem sich das Duo im Schlussaufstieg zur Kleinen Scheidegg noch einen erbitterten Abnützungskampf geliefert hatte, erlitt Buchli einen Reifendefekt und musste Huber in der letzten Abfahrt ziehen lassen. Dem enttäuschten Bündner blieb die Silbermedaille vor dem stark fahrenden iXS classic-Leader Jérémy Huguenin. Der Romand konnte mit SM-Bronze sein bisher sportlich wertvollstes Resultat feiern.

 

Die Frage, ob dieser fünfte Sieg in Grindelwald für ihn logisch gewesen sei, relativierte Huber jedoch: «Alle haben das von mir erwartet und auch ich habe es insgeheim natürlich gehofft. Mehr Sicherheit erlangte ich jedoch erst, als Sauser nicht mehr im Rennen war. Er hat auf mich einen starken Eindruck gemacht.» Nach dem Ausscheiden des Sigriswilers habe das Rennen einen anderen Charakter erhalten. «Ich wusste, dass ich gut die Kleine Scheidegg hochkomme und ich es gegen Buchli zur Not auch auf einen Zielsprint ankommen lassen könnte», führte Huber aus. Dieser Titel bedeute ihm enorm viel. Nachdem der erste im Jahr 2011 nach einem wetterbedingten Rennabbruch zustande gekommen sei, gebe es diesmal keine Diskussionen. «Ich werde es geniessen, nun ein Jahr im Schweizermeistertrikot zu fahren», so Huber.

 

«Ich werde eine Weile brauchen, bis ich diese Silbermedaille akzeptieren kann», sagte Lukas Buchli, den spezielle Emotionen mit der Eiger Bike verbindet. Der erste Elite-Sieg in Grindelwald 2006 war der Ausschlag, dass er im Folgejahr zu den Berufsfahrern wechselte. «Im Vorfeld des Titelkampfes hatte ich mich drei Tage auf der Strecke vorbereitet und Schlüsselstellen trainiert. Ich musste das ganze Rennen nie ans Limit, habe mich gut gefühlt und war überzeugt, dass ich Huber schlagen konnte. Schade, dass ich diesen Defekt hatte», sagte der Bündner.

 

Bei den Frauen liess Esther Süss keinen Moment Zweifel an ihren Ambitionen aufkommen. Die 40-jährige Aargauerin hielt ihre beiden favorisierten Mitstreiterinnen Milena Landtwing und Ariane Kleinhans stets sicher in Schach und realisierte einen Start-Ziel-Sieg mit mehr als zehn Minuten Vorsprung. Aber auch Süss musste leiden: «Ich hatte erst in der letzten langen Steigung ein gutes Gefühl. Bis zur Kleinen Scheidegg war ich auf der Suche nach meinem Rhythmus, lief es mir einfach nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte», sagte Süss. Dennoch freue sie sich über diesen fünften Marathon-Titel.

 

«Esther hat uns wieder einmal gezeigt, wo Bartli den Most holt», lobte Kleinhans. Mit ihrer Klasse und ihrer Erfahrung sei es schwierig, auf einer Strecke wie in Grindelwald Süss zu schlagen. «Ich habe dennoch nicht aufgehört zu kämpfen. Bei Marathons könne viel passieren. «Das hat sich schliesslich ausgezahlt – nicht zuletzt, weil ich die Strecke besser kenne als Milena», erklärte Kleinhans.

 

Etwas enttäuscht zeigte sich Milena Landtwing, die lange Zeit wie die sichere Silbermedaillengewinnerin ausgesehen hatte. Doch in der Steigung zur Kleinen Scheidegg kam der Hammermann – und Rivalin Ariane Kleinhans. «Ich habe alles probiert, wollte nicht, dass der Abstand zu Esther zu gross wird. Leider musste ich in der Schlusssteigung dafür büssen. Wenn man nichts versucht, erfährt man nicht, ob es vielleicht nicht doch geklappt hätte», sagte Landtwing fatalistisch.

 

Urs Huber war nicht der Einzige, der seinen fünften Eiger-Bike-Sieg feiern konnte. Auch Sepp Freiburghaus durfte über die Mitteldistanz bereits die fünfte Siegerglocke in Empfang nehmen, die in Grindelwald traditionsgemäss den drei Schnellsten auf allen Distanzen überreicht wird. Sofia Pezzatti war die Schnellste bei den Frauen.

 

Im kommenden Jahr werden die Schweizer Meisterschaften am BerGiBike zwischen Fribourg und Bulle ausgetragen.

 

Resultate (Schweizer Meisterschaft):

 

Männer (88 km): 1. Urs Huber (Jonen) 4:31:29. 2. Lukas Buchli (Samedan) 3:55. 3. Jérémy Huguenin (Neuchâtel) 8:10. 4. Lucien Besancon (Safenwil) 15:25. 5. Hansueli Stauffer (Sigriswil) 17:51. 6. Xavier Dafflon (Avry-sur-Matran) 18:49. 7. Damian Perrin (Bern) 20:16. 8. Philipp Gerber (Aeschiried) 22:09. 9. Erik Kleinhans (Südafrika) 24:25. 10. Vincent Bader (Montricher) 33:19. Aufgegeben wg. Defekt: Christoph Sauser (Sigriswil)

 

Frauen (88 km): 1. Esther Süss (Küttigen) 5:30:26. 2. Ariane Kleinhans (Thun) 10:18. 3. Milena Landtwing (Pontresina) 10:39. 4. Cornelia Hug (Amsoldingen) 34:40. 5. Nadia Walker (Altdorf, UR) 38:29.

 

 

 

iXS swiss bike classic:

 

Männer (55 km): 1. Sepp Freiburghaus (Neuenegg) 2:46:36. 2. Florian Thie (Thun) 0:31. 3. Rick Reimann (Uster) 5:32. 4. Florian Meyer (Rubigen) 9:22. 5. Stefan Roffler (Trimmis) 9:26.

 

Frauen (55 km): 1. Sofia Pezzati (Biasca) 3:29:07. 2. Ilona Chavaillaz (Sommentier) 0:41. 3. Susanne Tanner (Luzern) 4:09.

 

 

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