Die ewige Liebe zum neuen Carbon-Teil: Eine Tragödie in drei Akten (und drei Gängen)

Delgados Blog - Saisonstart ©
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Ach, meine Lieben! Der Frühling! Die Sonne kitzelt die Nasenspitze, die Vögel zwitschern – und in den Tiefen des männlichen (und, seien wir ehrlich, manchmal auch weiblichen) Fahrrad-Herzens regt sich wieder dieses unstillbare Verlangen. Nein, ich spreche nicht von der großen Liebe, nicht von der Romantik, die uns auf zwei Rädern durch die Welt tragen soll. Ich spreche vom neuen Carbon-Teil. Einem kleinen, federleichten Stückchen Verlockung, das uns in den Bann zieht wie eine Sirene den arglosen Seemann.

Gerade letzte Woche stand ich mal wieder im Laden – natürlich nur zur professionellen Recherche, was sonst? – und beobachtete ein Exemplar der Gattung „leidenswilliger Radler“, nennen wir ihn Herrn Müller. Herr Müller, so um die Fünfzig, mit dem festen Vorsatz, in diesem Jahr die Schwarzwald-Rundfahrt richtig anzugehen, stand vor einem Display mit federleichten Sattelstützen. Seine Augen glänzten wie frisch geputzte Speichen im Gegenlicht. „Ach, Gisela“, raunte er mir zu, als würde er ein Staatsgeheimnis lüften, „stell dir vor, 50 Gramm leichter! Das macht den Unterschied!“

 

Ich habe ja schon oft gesagt, meine grenzenlose Geduld mit der Spezies „Mensch auf zwei Rädern“ ist legendär, aber bei 50 Gramm fängt selbst meine innere Vespa an, im Leerlauf zu stottern. Fünfzig Gramm, Herr Müller? Das ist eine halbe Banane! Oder, um in Ihrer Sprache zu bleiben, vielleicht ein winziges Stückchen der Wurst, die Sie nach der Schwarzwald-Rundfahrt wahrscheinlich genüsslich verspeisen werden!

 

Aber nein, der Kult um die Gewichtsoptimierung ist eine Religion. Und wie jede gute Religion verlangt sie Opfer. Nicht nur die finanziellen – die Preise für diese Wunderwerke der Ingenieurskunst sind ja bekanntlich jenseits von Gut und Böse –, sondern auch die mentalen. Man stelle sich vor: Herr Müller kauft die Sattelstütze, spart 50 Gramm. Dann entdeckt er einen noch leichteren Lenker. Dann neue Pedale. Und plötzlich fährt er ein Rad, das leichter ist als seine Brieftasche nach dem ganzen Kaufrausch.

 

Und dann kommt der Moment der Wahrheit: die erste Ausfahrt. Herr Müller, auf seiner neuen Wunderkiste, spürt den Fahrtwind. Fühlt sich schnell. Und dann? Dann kommt der erste Anstieg. Und wissen Sie was, meine Lieben? Die 50 Gramm spielen plötzlich keine Rolle mehr. Es ist die Lunge, es sind die Beine, es ist der pure Wille, der entscheidet, ob man den Berg hochkommt oder nicht.

 

Wie ich immer predige: Ein Fahrrad ist zum Fahren da, nicht zum Anbeten! Es soll uns Freiheit schenken, nicht die Kreditkarte glühen lassen. Natürlich, ein gutes Rad ist die Basis. Aber die ewige Jagd nach dem letzten Gramm, nach dem neuesten, hippsten, Carbon-verstärkten Teilchen – das ist eine Spirale ohne Ende. Und am Ende sitzen wir immer noch selbst drauf und müssen treten.

 

Manchmal wünsche ich mir, wir würden uns wieder mehr auf das Wesentliche konzentrieren: die Freude am Fahren, die Schönheit der Landschaft, das Knirschen des Schotters unter den Reifen. Und ja, auch auf ein gutes Stück Kuchen danach. Denn, meine Lieben, die Kalorien, die wir uns dann gönnen, wiegen mehr als jede eingesparte Carbonfaser. Und schmecken besser!

 

In diesem Sinne: Fahrt mehr, wiegt weniger – euch selbst, nicht eure Räder!

 

Ihre Gisela Delgado

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