Der Stahlross-Laufsteg: Zwischen Carbon-Träumen und dem puren Sein

Delgados Blog - CyclingWorld Europe ©
Delgados Blog - CyclingWorld Europe ©

Es ist bald wieder diese Zeit im Jahr, in der gestandene Erwachsene vor einer gefrästen Aluminium-Nabe in Schnappatmung verfallen, als hätten sie gerade das Bernsteinzimmer im Keller eines Düsseldorfer Industriebaus entdeckt. Vom 20. bis 22. März verwandelt die Cyclingworld Europe das Areal Böhler wieder in das Mekka derer, für die „Kette rechts“ keine politische Gesinnung, sondern ein Lebensentwurf ist.

Ich gestehe: Auch ich werde dort sein. Ich werde an Rahmen klopfen, deren Wandstärke dünner ist als meine Geduld im Berufsverkehr, und vortäuschen, als verstünde ich die Aerodynamik von Trinkflaschenhaltern. Es ist faszinierend. Während die Welt über die Mobilitätswende debattiert, feiern wir in Düsseldorf das Fahrrad als das, was es im Kern ist: ein hochemotionales Stück Freiheit, das zufällig zwei Reifen hat.

 

Dabei ist die Messe längst mehr als eine Leistungsschau der Watt-Optimierer. Sie ist ein Familientreffen. Hier trifft die Vintage-Woll-Trikot-Fraktion auf Tech-Nerds, die ihr E-Bike per App füttern. „Wir verkaufen hier keine Fortbewegungsmittel“, pflege ich in solchen Momenten gerne zu sagen, während ich ein Lastenrad begutachte, das größer ist als mein erster Fiat Panda. „Wir zelebrieren die Tatsache, dass man den Wind im Gesicht nicht downloaden kann – egal, wie viele Sensoren am Lenker hängen.“

 

Ein bisschen Ironie gehört dazu, wenn man für ein Gravelbike so viel ausgibt wie für einen soliden Kompaktwagen, nur um es danach fachgerecht im Schlamm zu versenken. Aber genau das ist der Charme. Die Cyclingworld ist der Beweis, dass Vernunft zwar ein guter Beifahrer ist, die Leidenschaft aber am Steuer sitzt – oder eben fest im Sattel.

 

Man sieht sich in Düsseldorf. Ich bin die, die vorn am Stand steht und prüft, ob das neue Schloss auch wirklich gegen die Realität immun ist.

 

Ihre Gisela Delgado

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