Schwalbe: Frank Bohle sieht "Atempause" der Radbranche

Frank Bohle, Geschäftsführer von Schwalbe © Schwalbe
Frank Bohle, Geschäftsführer von Schwalbe © Schwalbe

Vor den Herbstmessen der Branche vermerkt Frank Bohle, der Geschäftsführer des Europa-Marktführers, einen bisher ungewöhnlichen Saisonverlauf: Nach sprunghaften Wachstumsraten in den letzten Jahren erlebte der deutsche Fahrradmarkt ein eher ruhiges erstes Halbjahr. Bohle sieht darin "eine kurze Atempause nach mehreren Boomjahren".

 

"Noch nie konnte die Fahrradbranche eine so breitgefächerte Kundschaft so vielfältig ansprechen wie heute", stellt Frank Bohle fest. Für den Geschäftsführer des durch seine Marke Schwalbe bekannten Fahrradreifenherstellers Ralf Bohle GmbH aus Reichshof bei Köln bietet das moderne Fahrrad alle Möglichkeiten eines für nahezu jeden passenden Verkehrsmittels: "Ob jung oder alt, ob in städtischen oder ländlichen Räumen, ob in Freizeit oder Alltag: Jeder kann das für sich passende Fahrrad finden, und das E-Bike entschärft auch die Unterschiede zwischen flachen und bergigen Landschaften."

 

Bohle: Keine ausreichende Fahrradinfrastruktur in weiten Teilen Deutschlands

Frank Bohle erkennt zwei mögliche Ursachen für das tendenzielle Stagnieren auf einem – allerdings sehr hohen – Niveau: Das wechselhafte Wetter und die mit dem schnellen Wachstum des Fahrradverkehrs überforderte Infrastruktur. Das in Deutschland kaum zum Radfahren einladende Wetter im Frühjahr und Frühsommer, in den für den Fahrradhandel entscheidenden Monaten, habe einige Kunden vom Gang in die Fahrradläden abgehalten.

 

Der Schwalbe-Geschäftsführer nennt aber auch einen weiteren Stimmungsdämpfer: "Viele am Radfahren in Alltag und Freizeit Interessierte stellen inzwischen fest, dass die Fahrradinfrastruktur in weiten Teilen Deutschlands nicht ausreichend vorhanden ist. Das starke Wachstum des Radverkehrs in den letzten Jahren und der E-Bike-Boom überfordern das bisherige Straßen- und Wegenetz. Wir brauchen insbesondere mehr sichere Radschnellwege, gerne auch abseits der vom Autoverkehr verstopften Hauptstraßen."
 
Hohe Lieferfähigkeit durch zweites Schwalbe-Werk erreicht
Vor einem Jahr kündigte Frank Bohle für 2016 deutlich weniger Lieferengpässe durch das zweite Schwalbe-Werk in Vietnam an. Diese Zusage konnte Schwalbe klar übertreffen: Im Sommer 2016 ist Europas führender Fahrradreifenhersteller lieferfähig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Auch die besonders gefragten High-End-Reifen kann Schwalbe nahezu alle kurzfristig in den Fachhandel liefern, weil das Stammwerk in Indonesien mittlerweile durch das Werk in Vietnam wirksam entlastet wird.

 

Bohle ist zufrieden: "An dieser Stelle gilt unser Dank den zahlreichen Mitarbeitern, die in den letzten Jahren mit viel Einsatz unser neues Werk in Vietnam aufgebaut haben. So etwas ist echte Pionierarbeit, ob für Deutsche oder Koreaner, Indonesier oder Vietnamesen." Der Aufbau der Schwalbe-Produktion in Vietnam sorgt somit für ein ungewohnt entspanntes Verhältnis zwischen dem Vertriebsbereich der Ralf Bohle GmbH und dem Handel, der mitunter lange auf besonders begehrte Reifen warten musste: Erstmals seit Jahren sind auch die aktuell gefragten Reifen schnell lieferbar. „Das ist ein erfreuliches Signal an unsere vielen Fachhandelspartner, mit denen wir oft seit Jahrzehnten verbunden sind“, sagt Frank Bohle.
 
Neuer doppelter Pannenschutz und Ganzjahresreifen
Unter den zahlreichen Innovationen und Weiterentwicklungen, die Schwalbe bei den Herbstmessen präsentiert, dürften zwei neue Reifen der Marathon-Familie die meisten Radfahrer interessieren. Der elegante Marathon GT spricht die Kunden an, die ihr modernes Fahrrad als unkompliziertes, schnelles und sicheres Verkehrsmittel nutzen wollen. Ein Pannenschutz aus zwei Komponenten, einer doppelten Gewebelage und einer Gummischicht, festigt Schwalbes Ruf als Sicherheitsexperten. Das Schutzniveau des neuen Marathon GT bewegt sich knapp unterhalb des legendären Marathon Plus, für den Schwalbe den Begriff "unplattbar" rechtlich geschützt hat.


Der schnelle Alltagsreifen Marathon GT startet aber nicht allein in die Saison 2017: Mit ihm tritt der Marathon GT 365 als Ganzjahresreifen für die Allwetterradler an. Profil und Gummimischung versprechen auch bei Minusgraden oder Nässe sicheren Halt auf Straßen und unbefestigten Wegen. Eine kleine Einschränkung hat allerdings Schwalbe-Produktmanager René Marks: "Wir hätten ihn auch GT 360 nennen können, denn an den rund fünf Tagen, an denen die Straßen vereist sind, sollten die Radfahrer auf Spikes umsteigen."

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dr.med.Fischer (Montag, 17 Oktober 2016 17:48)

    Ich denke auch dass die Infrastruktur für Fahrräder nicht adäquat ausgebaut ist. Autofahrer beachten nur minimal den Sicherheitsabstand zu den Fahrrädern. Nach dem Motto: nur nicht die eigene Fahrbahnhälfte verlassen, lieber den Radfahrer in den Graben drängen. Seltsamerweise sind hier insbesondere die Klein- und Kleinstfahrzeuge wie Nissan Micra und Smart zu nennen.