Powerfrauen mit Biss: Radprofis Vos, Worrack und Lechner

Marianne Vos (l.) und Eva Lechner © Anton Vos
Marianne Vos (l.) und Eva Lechner © Anton Vos

Eva Lechner hat gelitten. Die letzten Wochen waren schwierig. Nach einer herausragenden Cross-Saison folgten Müdigkeit, Rückenprobleme, Erholungsbedarf. Und das im Olympiajahr. Vor Kurzem hat die Südtirolerin die Internationale Thüringen-Rundfahrt in Deutschland absolviert. Und sie war in bester Gesellschaft. Drei besondere Geschichten.
 

Marianne Vos: Ehrgeiz siegt
Sie gilt als größte Radsportlerin aller Zeiten. Marianne Vos aus den Niederlanden. Profi seit 2006. Dreimal Sportlerin des Jahres. Mehrfache Straßenweltmeisterin und Weltmeisterin im Cross, Olympiasiegerin, Weltcupgesamtsiegerin auf der Straße, mehrfache Siegerin des Giro d’Italia femminile. Dann der Zusammenbruch vor zwei Jahren. Der Körper erholte sich nicht mehr. Ein Jahr Zwangspause. Marianne Vos sagt dazu in einem TOUR-Interview: "Ich bin noch nicht fertig mit den Rennen. Ich möchte es mir selbst beweisen. Das ist für mich die größte Motivation, die ich haben kann." Kaum zu glauben, aber wahr. Eine der größten Radrennfahrerinnen aller Zeiten hatte Mühe, mit dem Rad zum Bäcker zu fahren. Und genauso unglaublich: Marianne Vos ist wieder da. Bei der Thüringen-Rundfahrt gewinnt die Niederländerin gleich die erste Etappe, wird einen Tag später Zweite, um am darauffolgenden Tag erneut zu gewinnen, ebenso auf der fünften Etappe. Olympia kann kommen.
 
Trixi Worrack: Mit einer Niere nach Rio
Bei Olympia mit dabei ist auch Trixi Worrack. Ebenso unglaublich. Am 20. März 2016 wurde Trixi Worrack aus Erfurt die linke Niere entfernt. Es war nach einem Sturz beim Rennen Trofeo Alberto Binda in Italien. Die deutsche Radrennfahrerin beschreibt das Schockerlebnis im Krankenhaus in einem TZ-Beitrag vom 12. Juli: "Als ich im Hospital in Varese aufwachte, wirkte die Nachricht wie ein zweiter Sturz. Doch im Krankenhaus schwor ich mir: Du steigst wieder aufs Rad." Auch bei Trixi Worrack hat der Ehrgeiz gesiegt. Für die Deutschen Meisterschaften am 24. Juni erhielt sie die Freigabe der Ärzte und gewann. Die Thüringen-Rundfahrt beendet sie auf Platz dreißig. Ihren vierten Olympischen Spielen steht nichts mehr im Wege. Sie sagt: "Mein ganz großes Ziel habe ich schon erreicht. Ich sitze wieder auf dem Rennrad." Ein großes Vorbild.
 
Eva Lechner: Immer weiterkämpfen
Zu kämpfen gewohnt ist auch Eva Lechner. Die Südtirolerin hat über zwanzig Italienmeistertitel gewonnen, allein 15 in ihrer Spezialdisziplin, auf dem Mountainbike im Cross-Country. Dazu Weltmeisterin in der Staffel, Weltcupsiegerin und WM-Dritte im Einzel. Im Radcross konnte ihr nur die große Marianne Vos das Regenbogentrikot streitig machen. Es war 2014 in Hoogerheide. Eva Lechner holte die erste Radcross-Medaille bei einer WM für Italien überhaupt. Marianne Vos ihren siebten Weltmeistertitel, den sechsten in Serie. Im vergangenen Jahr als Favoritin angetreten, fuhr ihr eine Konkurrentin ins Hinterrad. Aus der Traum von Gold für Eva Lechner. In dieser Saison wiederum eine Premiere. Eva Lechner trägt als erste Italienerin das Weltcup-Leadertrikot. Zuversichtlich ihr Blick auf den Mountainbike-Weltcup. Doch ein Trainingssturz und psychischer Stress bremsen die Südtirolerin. Sie kommt nie richtig in Fahrt. Inzwischen geht es wieder aufwärts. Die Thüringen-Rundfahrt verläuft hoffnungsvoll, Eva Lechner kann sich von Beginn an im vorderen Feld platzieren. Erst auf der vorletzten Etappe lassen ihre Kräfte nach und erzwingen den Ausstieg. Ihr Motto reiht sich ein bei den Großen der Zunft: "Es geht voran und ich kämpfe weiter". Der Startplatz in Rio ist ihr sicher. Am 20. August startet Eva Lechner zum dritten Mal bei Olympia.
 
Redaktion: Dr. Josef Bernhart

 

Eva Lechner (ganz links, mit dem Nationalteam Italien) bei der Thüringen-Rundfahrt der Frauen 2016  © (Bild: frontalvision.com/Arne Mill)
Eva Lechner (ganz links, mit dem Nationalteam Italien) bei der Thüringen-Rundfahrt der Frauen 2016 © (Bild: frontalvision.com/Arne Mill)

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