Absa Cape Epic: Sauser und Kulhavy holen sich den Sieg

Karl Platt (Team Bulls, l.; mit Teamkollege Urs Huber) war der schnellste Deutsche beim Cape Epic 2015 © ABSA Cape Epic/Thomas Rögner
Karl Platt (Team Bulls, l.; mit Teamkollege Urs Huber) war der schnellste Deutsche beim Cape Epic 2015 © ABSA Cape Epic/Thomas Rögner


Triumph auf der ganzen Linie für die Schweizer Bike-Legende Christoph Sauser (Investec-Songo-Specialized). Ein schönerer Abschied von der Profi-Karriere als mit einem Sieg beim Absa Cape Epic ist kaum möglich. Mit Jaroslav Kulhavy gewann Sauser als erster Biker zum fünften Mal das prestigeträchtige Mountainbike-Rennen, das acht Tage dauert. Zehn Minuten Vorsprung vor den Hauptrivalen Alban Lakata (AUT) und Kristian Hynek (CZE) vom Team Topeak Ergon hatten auf der Schlussetappe über 92 Kilometer ins Weingut Meerendal bei Kapstadt genügt. Auf den dritten Gesamtrang fuhren die Mitfavoriten Karl Platt (GER) und Urs Huber (SUI) vom Team Bulls (Bild).



Um die Ehre ihres Sponsors hochzuhalten, fuhren Jochen Käß und Daniel Geismayer (Meerendal Centurion Vaide) ein entfesseltes Rennen von der Spitze weg und holten sich den Etappensieg des Finales. Das hohe Tempo konnten nur José Hermida und Rudi van Houts (Multivan Merida) mitgehen, die nach den Magenproblemen des Spaniers vom Vortag einen erstaunlichen zweiten Platz holten. Die Schweizer Martin Gujan und Fabian Giger (Novus OMX Pro) wurden Dritte.


"Diese Momente sind wirklich selten", sagte ein gerührter und champagner-durchnässter Sauser im Ziel. "Wenn ich mal alt bin, bedeutet es mir vielleicht viel, fünf Mal das Epic im Moment gewonnen zu haben. Jetzt genieße ich einfach nur diesen Moment." Die Ziellinie als Gesamtsieger zu überqueren war für ihn eine "große, große Erleichterung". Auch der sonst eher ruhige Olympiasieger Kulhavy hatte ein breites Grinsen im Gesicht. "Es ist super, so ein Rennen mit Susi zu fahren. Ich genoss heute jeden Kilometer und vor allem die Ziellinie."


Hynek sagte nach dem Finale: "Ich hätte nicht geglaubt, dass ich über einen zweiten Platz enttäuscht sein würde. Dass ich den Titel (den er mit Robert Mennen letztes Jahr gewann) nicht verteidigen konnte, schmerzt mehr als gedacht ..."  Teamkollege Alban Lakata sagte: "Das war eine echte Achterbahn: Einen Tag ging es gut, am anderen wieder hatten wir Pech. Aber der Gesamtsieg beim Epic bleibt ein großes Ziel für mich", so der Österreicher mit dem Spitznamen "Albanator".


Etwas enttäuscht war Karl Platt, viermaliger Epic-Sieger, im Ziel. "Ich konnte dieses Mal das Epic nur halb genießen – wir haben uns selbst wahrscheinlich zu stark unter Druck gesetzt." Sein Partner Urs Huber litt die letzten zwei Etappen extrem, wie er sagte.


Das Scott Factory Racing-Team mit Philip Buys und Matthys Beukes, die Etappe 5 gewonnen hatten, holten sich als erstes afrikanisches Team im Ziel auch das Afrikanische Leadertrikot in der Gesamtwertung.


Eine Schokoladentorte für Annika Langvad

Eine große Schokoladentorte wartete im Ziel auf Annika Langvad – die dreifache Marathonweltmeisterin feierte ihren Geburtstag standesgemäß mit dem Gesamtsieg des Absa Cape Epic. Mit Ariane Kleinhans im Team RECM Specialized war die Dänin ungefährdet. Nicht einmal eine Zeitstrafe nach einem Verfahrer hatte die beiden bremsen können. "Wir sind sehr glücklich. Geburtstag, Sieg, Gesamtsieg, wir haben genug zu feiern heute", sagte eine glückliche Annika Langvad nach der Ziellinie. Bereits drei Kilometer vor dem Zieleinlauf hatten die beiden die Zuschauer an der Strecke abgeklatscht.


Die unglaubliche Leistung der beiden Frauen wird beim Absa Cape Epic dieses Jahr sogar besser entlohnt als die Gesamtsieger bei den Herren. Das Preisgeld beim Epic ist dank Frauenkategoriesponsor Sasol so hoch wie bei den Männern: 200000 Südafrikanische Rand erhalten Kleinhans/Langvad für den Overall-Sieg, für den Etappensieg gab es sieben Mal 5000 Rand und durch den Sieg bei den Sasol Hotspots (drei Bergwertungen) gab es jeweils 15000 Rand.


Mixed-Sieger: Ivonne Kraft und Peter Vesel

Die Führenden der Mixed-Gesamtwertung, Ivonne Kraft (GER) und Peter Vesel (SLO) mussten mit einem Kettenriss noch ein paar Minuten Zeit hergeben, der Gesamtsieg war aber mit einem Abstand zu den nächsten von 39 Minuten ungefährdet. "Für Peter ist ein Traum wahr geworden", sagte Kraft, "seit zehn Jahren will er beim Absa Cape Epic dabei sein. Und nun Etappen- und den Gesamtsieg geholt zu haben, ist wie ein Wunder."


Cyclocross-Spezialistin Hanka Kupfernagel, die mit dem erfahrenen Epic-Master Carsten Bresser (Team Dietrich Rocky Mountain) unterwegs war, verfehlte das Podium mit einem vierten Platz bei ihrem Epic-Debüt. "Es war verrückt", so die Cross- und Straßenspezialistin, "aber ich kam immer besser rein und kann mir inzwischen sogar vorstellen, wieder ein paar Mountainbike-Rennen zu fahren."


Brentjens und Azevedo sind die Masters-Sieger

Bei den Masters blieben die Leader Bart Brentjens/Abraao Azevedo (BETCH.nl-Suiperior) souverän. Die Verfolger Pfitzenmaier/Simm (RSA, Team Dorma Robert Daniel) waren durch den gebrochenen Finger Pfitzenmaiers stark gehandicapped und kamen mit 24 Minuten Abstand ins Ziel, sicherten sich aber Rang zwei der Gesamtwertung.


Bucher und Zorweg bei den Grandmasters

Die Grandmasters Barti Bucher (SUI) und Heinz Zoerweg (AUT), Team Meerendal BIXs KTM, mit sieben Tagessiegen nicht zu schlagen, rollten einem ungefährdeten Gesamtsieg entgegen.


Alle Resultate unter https://www.cape-epic.com/fans/hall-of-fame/results




FAHRERSTIMMEN


Christoph Sauser (SUI) Investec-Songo-Specialized

Unglaublich, dieses große Ziel erreicht zu haben. Seit November habe ich darauf trainiert. Das nach so vielen Kilometern zu erleben, wie alles zusammenkommt, ist herrlich. Mit Jara hatte ich natürlich auch einen starken Partner. Die Emotionen sind schwer in Worte zu fassen. Ich habe versucht, jeden Meter den Berg hinunter zu genießen, solche Momente sind selten.

Alban Lakata (AUT) Topeak Ergon

Mein großes Ziel ist es, das Absa Cape Epic zu gewinnen. Ich muss eigentlich zufrieden sein. Nach Platz 5,4 und 3 jetzt Zweiter, da kann ja nur noch Nummer 1 kommen. Es war eine sehr starke Konkurrenz dieses Jahr, Susi und Jara sind einen Tick besser gefahren als wir. Uns fehlte auch ein wenig das Glück an manchen Tagen. Leider sind wir ohne Etappensieg angekommen, heute stürzte ich auch noch und schlug mir das Knie auf, so war einfach nicht mehr drin. Ich bin auch sehr zufrieden mit dem zweiten Gesamtplatz.

Jochen Käß (GER) Meerendal Centurion Vaude

Ich bin super glücklich, eine Etappe gewonnen zu haben. Wir hatten die ganze Woche sehr viel Pech gehabt, viele Stürze und jede Menge Pannen. Das ist eine große Entschädigung mit dem Sieg beim Finale.

Karl Platt (GER) Bulls

Solange ich das Gefühl habe, vorne mitfahren zu können, werde ich es versuchen. Und ich habe das Gefühl, das geht noch. Drei Jahre werde ich auf jeden Fall nochmal dabei sein, und wenn alles passt, versuchen, nochmal den Gesamtsieg zu holen. Ich habe das Cape Epic als erster gewonnen, das passt.

Robert Mennen (GER) Topeak Ergon

Heute ging es nicht mehr um die Gesamtwertung, zehn Minuten kann man nicht aufholen. Man will ja auch nicht durch den Defekt des führenden Teams noch die Gesamtführung holen, das wäre nicht schön. Wir hatten ja nicht viel Glück die ganze Woche, leider konnten wir nicht auf einen Etappensieg fahren. Das Tempo war wahnsinnig hoch.

Ariane Kleinhans (SUI) RECM Specialized

Auf jeden Fall kommen wir nächstes Jahr wieder. So ein Rennen darf man nicht verpassen. Das Finale beim Absa Cape Epic ist sehr emotional. Mit so vielen Zuschauern ins Ziel zu kommen, ist wirklich Gänsehaut-Feeling.

Ivonne Kraft (GER) Etis

Es war Wahnsinn. Die letzten drei Tage sind wir durch alle Pannen gegangen. Plattfuß und Kettenriß heute, aber wir haben es trotzdem geschafft. Super.

Hanka Kupfernagel (GER) Dietrich Rocky Mountain

Es ist verrückt. Aber wir hatten auch sehr schöne Momente, Ich hatte drei sehr gute Tage, aber ansonsten ist es schon großes Leiden. Ich bin froh, dass mich Udo (Bölts) und carsten (Bresser) überredet haben teilzunehmen. Ich bin besser durchgekommen als ich dachte. Die ersten zwei Tage wollte ich einfach nur sterben, aber jetzt am Ende ging es eigentlich.


Karl Platt (Team Bulls, l.; mit Teamkollege Urs Huber) war der schnellste Deutsche beim Cape Epic 2015 © ABSA Cape Epic/Thomas Rögner
Karl Platt (Team Bulls, l.; mit Teamkollege Urs Huber) war der schnellste Deutsche beim Cape Epic 2015 © ABSA Cape Epic/Thomas Rögner

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