Die klassische Kettenschaltung bekommt immer stärkere Konkurrenz aus der Tretlager-Region. Der Hersteller Gobao zeigt mit der neuen X-Serie, wohin die Reise im E-Bike-Bereich geht. Das Spitzenmodell X1P vereint einen extrem kraftvollen Mittelmotor und ein Getriebe direkt in einem kompakten Gehäuse unter dem Sattel. Damit verlagert sich die gesamte Technik weg vom empfindlichen Hinterrad ins Zentrum des Bikes, was herkömmliche Schaltwerke und anfällige Kassetten auf einen Schlag überflüssig macht.
Das System bricht mit dem klassischen Prinzip von festen Gängen. Anstatt mechanisch Kettenblätter zu wechseln, regelt die Motor-Getriebe-Einheit die Übersetzung vollkommen fließend und automatisch. „Schaltung kann man sagen, ich würde fast gar nicht Schaltung nennen, weil wir schalten gar nicht mehr. Sondern wir sind ganz smooth unterwegs und schalten so, wie wir möchten“, erklärt Gregor von Gobao im Gespräch. Wer dennoch das gewohnte Knacken am Lenker vermisst, kann sich virtuelle Schaltstufen einrichten: „Von Werks wegen sind 15 Gänge eingestellt. Ich könnte aber, wenn ich 100 Gänge lieber hätte, auch 100 machen, und wenn ich nur drei will, kann ich auch nur drei machen.“ Per Smartphone-App lässt sich das System zudem individuell konfigurieren – vom Ansprechverhalten des Motors bis zur Progression der Automatik.
Brachiales Drehmoment und wartungsfreie Zonen
Im Hinblick auf Leistung klotzt das System mit Werten, die den Markt aufhorchen lassen. Der X1P liefert in der Spitze bis zu 1500 Watt und ein maximales Drehmoment von 150 Newtonmetern. Der kleinere Bruder ohne das „P“, der X1, bringt es immer noch auf 1200 Watt Peak und 120 Newtonmeter. Abgeriegelt wird das System für den deutschen Markt vorschriftsmäßig bei 25 km/h.
Ein riesiger Vorteil der integrierten Bauweise ist die mechanische Entlastung des Hinterbaus. Da das schwere Schaltwerk und die Kassette wegfallen, sinkt die ungefederte Masse am Hinterrad drastisch, was besonders E-Mountainbikern mehr Stabilität und ein besseres Ansprechverhalten der Federung bringt. Zudem gilt das System als nahezu wartungsfrei: Es muss weder geschmiert noch geölt werden. Für ein sauberes Gesamtkonzept empfiehlt der Hersteller die Kombination mit einem Zahnriemen, was letztlich aber im Ermessen der Fahrradmarken liegt.
Problemlöser für den Lasten- und Stadtverkehr
Besonders im Cargobereich spielt die Automatik ihre Karten aus. Während versierte Sportler im Gelände meist instinktiv richtig schalten, herrscht im städtischen Alltag oft Schaltfaulheit. Wer mit einem voll beladenen Lastenrad an einer roten Ampel stoppt und das Herunterschalten vergisst, gerät beim rauen Anfahren im dicken Gang schnell ins Wanken. Der X1P löst dieses Problem mechanisch, indem er im Stillstand automatisch in eine leichte Übersetzung wechselt.
Neben der Antriebseinheit sorgt primär das Ladekonzept für Aufsehen: Ein neu entwickelter „Supercharger“ pumpt mit 30 Ampere Ladeleistung den hauseigenen 750-Wh-Akku in nur 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent Kapazität auf. Eine integrierte KI im Ladegerät überwacht dabei den Batteriezustand sowie die Außentemperatur, um den Zellverschleiß trotz der enormen Ladegeschwindigkeit zu minimieren. Der Hersteller bietet zudem einen baugleichen 900-Wh-Akku für identische Rahmengeometrien sowie eine leichtere 500-Wh-Variante für City- und Trekkingräder an. Zusätzliche Features wie Diebstahlschutz, Konnektivität und Geofencing runden das Paket ab.
Unsere Meinung:
Das Zusammenlegen von extrem kraftvollem Tretlagermotor und intelligenter Getriebesteuerung löst zwei Kernprobleme moderner E-Bikes auf einmal: den enormen Kettenverschleiß und unkomfortable Schaltfehler unter Last. Wenn die automatisierte Software im realen Dauereinsatz auf der Straße so feinfühlig agiert wie versprochen, stellt diese Motor-Getriebe-Einheit eine extrem ernst zu nehmende Option für Cargo-, Urban- und Mountainbikes dar. Vor allem die extrem kurze Ladezeit von 20 Minuten könnte sich im harten gewerblichen Einsatz als echter Hebel erweisen.

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