ADFC-Zertifikat: "Fahrradfreundlicher Arbeitgeber"

© Jens Lehmkühler/ADFC
© Jens Lehmkühler/ADFC

Auch in Deutschland setzen immer mehr innovative Unternehmen auf ein fahrradfreundliches Betriebsumfeld. Jetzt bietet der Radfahrerclub ein neues EU-weites Zertifikat für fahrradfreundliche Arbeitgeber sowie die Beratungswebsite www.fahrradfreundlicher-arbeitgeber.de an.

Ein kostenloser Selbsttest hilft beim Einstieg ins Thema.

 

Sophia-Maria Antonulas, Projektleiterin beim ADFC-Bundesverband, sagt: „Wer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern optimale Bedingungen dafür bietet, öfter mal das Auto stehen zu lassen und mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen, profitiert mehrfach. Radfahrende Arbeitnehmer sind nachgewiesenermaßen gesünder, zufriedener und motivierter als solche, die inaktiv ins Büro kommen. Fahrradfreundliche Arbeitgeber sind außerdem sehr attraktiv für gut ausgebildete Nachwuchskräfte – und sparen bares Geld durch geringere Infrastrukturkosten wie zum Beispiel für Auto-Parkplätze.“
 
Drei Schritte zur Zertifizierung
Interessierte Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber können auf www.fahrradfreundlicher-arbeitgeber.de mit einem kurzen Selbsttest herausfinden, ob eine Zertifizierung möglich ist. Im nächsten Schritt kann man den Betrieb zum Audit anmelden. ADFC-Auditoren im ganzen Bundesgebiet beraten über Möglichkeiten der Optimierung und überprüfen vor Ort die Angebote. Bei positivem Ergebnis des Audits erhält der Betrieb das Qualitätssiegel „Zertifizierter Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ in Bronze, Silber oder Gold. Die Zertifizierung ist für drei Jahre gültig. Als fahrradfreundliche Betriebe zertifiziert sind bereits Roche Diagnostics, Ortlieb, ebmpapst, EvoBus, Blue Bite und viele andere.
 
Was ist ein fahrradfreundlicher Betrieb?
Grundvoraussetzung für die Zertifizierung ist die Benennung eines betrieblichen Mobilitäts-/Radverkehrskoordinators als zentraler Anlaufstelle. Bewertet wird die Fahrradfreundlichkeit in sechs Aktionsfeldern. Punkte bringen beispielsweise die Teilnahme an der Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“, regelmäßige Aktionen wie „Radlerfrühstück“, individuelle Streckenberatung oder Betriebsausflüge mit dem Rad. Im Bereich Infrastruktur liegen Arbeitgeber richtig, wenn sie die ausreichend vorhandenen Fahrradparkplätze überdachen, beleuchten, barrierefrei gestalten und nah am Eingang anlegen. Umkleidemöglichkeiten und Duschen zählen ebenfalls. Im Bereich Service punkten Angebote für die Fahrradreparatur, saisonale Fahrrad-Checks oder die Anschaffung von Diensträdern. Im Bereich Koordination können Arbeitgeber mit dem Einsatz von Rädern, Lastenrädern oder Fahrradanhängern in der eigenen Logistik punkten. Beim Parkraummanagement gibt es Punkte, wenn die Alternativen gegenüber dem Pkw-Parken privilegiert werden, beispielsweise, indem Pkw-Parkplätze kostenpflichtig sind. Zertifizierungsrelevant sind auch vergünstigte Angebote für alternative Mobilitätsformen, also für ÖPNV, Bahn und Car- oder Bike-Sharing. Bei Firmen oder Einrichtungen mit Kundenbetrieb wird positiv bewertet, wenn es Fahrradparkplätze und Fahrrad-Motivationsprogramme für Kunden gibt.
 
Zwei Tage weniger krank, schlanker und glücklicher
Arbeitnehmer, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, sind durchschnittlich zwei Tage pro Jahr weniger krank, als solche, die das Auto oder den Personennahverkehr wählen. Das hat die Studie „Mobilität und Gesundheit“ von EcoLibro und der AG Mobilitätsforschung der Universität Frankfurt ergeben. Dabei ist es für den Gesundheitseffekt besonders günstig, wenn man sich ganzjährig für den aktiven Arbeitsweg entscheidet, reine „Sommerradler“ haben bei den Krankheitstagen kaum positive Effekte. Auch auf den Body-Mass-Index (BMI) wirkt sich der aktive Arbeitsweg positiv aus: Ganzjahres-Radler haben einen durchschnittlichen BMI von 24, Autofahrer dagegen liegen bei 26. Forscher haben außerdem nachgewiesen, dass bei Ganzjahresradlern das Wohlbefinden am höchsten ist – sie haben einen „Well-Being-Score“ von 61 im Vergleich zu 55 bei den Autofahrern und 52 bei den ÖPNV-Nutzern.
 
Bedeutung für die Mitarbeiter-Gesundheit
Dass Zivilisationskrankheiten und krankheitsbedingter Ausfall durch Büroarbeit und häufiges Sitzen drastisch zunehmen, ist ein bekanntes Phänomen. Die WHO empfiehlt, mindestens 150 Minuten pro Woche aktiv zu sein. Wichtig dabei ist, sich regelmäßig und moderat in Blöcken von mindestens 10 Minuten zu bewegen. Der Arbeitsweg bietet ideale Voraussetzungen für die regelmäßige Einbindung solcher Aktivitätsblöcke in den Alltag.
 

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