Interview: Andy Su, Geschaeftsfuehrer Darfon

Andere Elektronik-Riesen bauen Motoren, der BenQ-Konzern mit der eigens geschaffenen Marke BESV gleich eine ganze Elektrorad-Flotte. Der Geschäftsführer Andy Su über seine Sicht auf den deutschen Markt und Annehmlichkeiten und Defizite der Fahrradbranche.

IN WESTEUROPA LÄUFT DER BESV-VERTRIEB BEREITS SEIT EINEM JAHR UND JETZT AUCH IN DEUTSCHLAND. WARUM HAT DIE MUTTERFIRMA DARFON HIER NOCH GEWARTET?
Das letzte Jahr haben wir dazu genutzt, den deutschen Markt genau zu sondieren. Deutsche Händler sind sehr anspruchsvoll, gerade wenn es um die Ausstattung der Räder geht. Diese wurden bereits auf die Bedürfnisse deutscher Nutzer angepasst, etwa mit anderen Schalt- und Bremskomponenten. Deutsche Kunden und auch Händler vergleichen nämlich oft Fahrräder anhand der Teile. Dies haben wir gelernt, unsere Schlüsse gezogen und jetzt profitieren wir von der verbesserten Ausstattung sogar in einigen anderen Ländern. All dies geschah in Abstimmung mit unseren deutschen Händlern, deren Meinung uns sehr wichtig ist. Den Verkauf in Deutschland haben wir mit Händlern begonnen, die wir als Partner zur Marktbereitung besonders schätzen. 

ALS ELEKTRONIKSPEZIALIST HAT DIE KONZERNMUTTER BENQ WOHL EINEN EIGENEN BLICK AUF DIE FAHRRADBRANCHE. WAS SOLLTEN FAHRRADHÄNDLER LERNEN? 
Noch adaptieren Fahrradhändler Innovationen etwas langsamer als dies etwa in der Elektronikbranche üblich ist. Am kompetentesten sind Händler bei den mechanischen Teilen. Sie vermessen das Rad bis auf Zehntelmillimeter genau, bestimmen die Kettenlinie oder berechnen Übersetzungsverhältnisse mit großer Sicherheit. Aber diese Routine fehlt den meisten noch beim Elektrorad. Ein Knopf etwa hat für die Händler selbstverständlich zu funktionieren – aber reparieren können ihn nur wenige. Qualität lässt sich nur schwer einschätzen. Und genau hier liegt unsere Stärke: Alle, wirklich alle elektronischen Bauteile entwickeln und produzieren wir selbst. Vom Knopf bis zum Motor kommt bis auf den Akku alles aus einer Hand, wir sind absolute Elektronik-Profis und legen höchsten Wert auf Integration.

UND WO IST DER VORTEIL GEGENÜBER ZUSAMMENGEKAUFTER ELEKTRONIK?
Alle Teile bieten hohe Qualität und sind vom ersten Entwicklungsschritt an aufeinander abgestimmt. Das funktioniert effizienter, langlebiger und wartungsärmer. Auch die Kunden werden uns und unseren Händlern noch mehr vertrauen, sobald sie die Vorteile unserer hochwertigen Elektronikkomponenten, kombiniert mit aktuellsten Fahrradgleichteilen und unserem innovativen Rahmenbauansatz, erfahren und verstehen. 

GIBT ES DINGE, DIE DIE GANZE BRANCHE VERBESSERN SOLLTE?
Die Fahrradbranche funktioniert sehr zyklisch, und Taktgeber sind immer noch die Jahreszeiten sowie Großereignisse wie die Eurobike. Das hat natürlich gute, teils sogar unveränderliche Gründe wie etwa den Winter. Aber im Zeitalter des Internets ist es angemessener, ein Produkt einfach vorzustellen, sobald es fertig ist. Wir stellen unsere Räder dann vor, sobald diese sorgfältig getestet wurden und wir diese für marktreif befinden, und nicht erst zu dem Zeitpunkt, wenn andere Zulieferer ihre Neuheiten vorstellen.

Das läuft in vielen, höchst professionellen Industriezweigen so, etwa in der Automobilindustrie, der Elektronik und Computerbranche, und ich denke, dass auch die Fahrradbranche sich noch stärker an diesen Branchen orientieren wird, als sie es jetzt schon tut.   

 

WAS KANN BESV VON DER FAHRRADBRANCHE LERNEN? 
Die Fahrradbranche hat eine ungewöhnliche Stärke, die ich nirgendwo anders erlebt habe: Innovationen werden nicht vor anderen Herstellern versteckt, sondern die Branche geht so offen mit ihren Erfindungen um, wie es möglich ist, ohne dem eigenen Geschäft zu schaden. Das führt zu einer sehr positiven, geradezu familiären Atmosphäre. Ein so angenehmes Arbeitsklima würde ich mir auch für andere Branchen wünschen.


WIR HOFFEN, DASS ES SO BLEIBT. ABER DER HANDEL IST IM UMBRUCH, SO WIE DIE GANZE BRANCHE. SOLLTEN HÄNDLER GLEICHZEITIG ELEKTRORÄDER UND HERKÖMMLICHE RÄDER VERKAUFEN?
Wer bereits etabliert ist, der soll ruhig beides verkaufen, denn es wäre ein Fehler, einen Teil des mühsam aufgebauten Kundenstamms einfach aufzugeben. Wer aber ein neues Geschäft eröffnet, dem rate ich, sich auf den Bereich Elektromobilität zu konzentrieren. Dies ist das Geschäft der Zukunft, hier kann man sich als Spezialist seine Nische schaffen.

BESV BELIEFERT AUCH DEN VERSENDER HIBIKE. WIE SCHÜTZEN SIE IHRE HÄNDLER VOR PREISVERRISS? 
Wir brauchen auch diesen Vertriebsweg, weil es der Markt von uns erwartet. In unserem Fokus steht der Vertrieb über den Fachhandel, damit meine ich unabhängige Fahrradhändler und Spezialisten im Bereich Elektromobilität. So wie Hibike, die neben dem stationären Handel auch über ein etabliertes starkes Onlinegeschäft und eine professionelle Logistik verfügen, welche wir im Sinne unserer Verbraucher nutzen wollen.

WAS ERWARTEN SIE VON DER ZUKUNFT?
Ich denke, dass die Branche sich in drei bis fünf Jahren dramatisch ändern wird. Noch passiert alles recht langsam, aber das Tempo, mit dem Innovationen im E-Bike-Bereich vorgestellt werden, wird stark anziehen. Service, Internet und Wünsche der Kunden werden wichtiger. 

DAS GROSSE DING SIND JA ZURZEIT E-MOUNTAINBIKES. KOMMT AUCH EINES VON BESV?
Noch ganz dem Zyklus der Branche angepasst, darf man von uns eine Überraschung zur Eurobike erwarten.

VIELEN DANK, HERR SU!


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