Die Zukunft des E-Mountainbikes – Josh Welz im Interview

Wird das E-Mountainbike dem herkömmlichen Mountainbike des Rang ablaufen? Wir haben Josh Welz gefragt, den Chefredakteur von Europas größtem Mountainbike-Magazin. Und jetzt auch Chefredakteur des Magazins E-MTB.

Herr Welz, warum ist das E-Mountainbike so beliebt geworden?
Das Thema E-Mountainbike hat in den letzten zwei Jahren eine enorme Dynamik entwickelt. Zu Anfang hatten die E-Mountainbikes ein eher zweifelhaftes Image. Die Entwicklung entstand ja aus dem normalen E-Bike und wurde etwas unbeholfen aufs Mountainbike übertragen. Seit aber die spezialisierten Hersteller entwickeln, wird E-Mountainbiken immer sportlicher. Und neuerdings setzen die Firmen auch immer mehr Teamfahrer aufs E-MTB: Guido Tschugg, René Wildhaber und Mike Kluge waren ja nur der Anfang. Das hilft natürlich dem Image dieses Sports gewaltig. Entsprechend wandelt sich auch die Zielgruppe.

Sie wird jünger?
Genau, in den vergangenen Jahren konnte man eher eine ältere Klientel auf diesen Bikes beobachten. Aber das E-MTB wird jetzt cooler. Es sind nicht mehr nur die älteren Wiedereinsteiger und Umsteiger vom Mountainbiken, in Teilen sehe ich auch einen Shift einer jüngeren Klientel vom MTB zum E-MTB. Ich denke, wer sich einmal drauf setzt, wird spüren, dass es unglaublich viel Spaß macht, aber trotzdem durchaus anstrengender Sport ist.

Dabei haben gerade die eingefleischten Mountainbiker das E-MTB lange entschieden abgelehnt.
Ja, aber man merkt jetzt schon, dass die Fronten zwischen E-Mountainbikern und Mountainbikern bröckeln. Ich habe den Eindruck, dass die Diskussion nicht mehr ganz so dogmatisch geführt wird.

Alle Vorzeichen sprechen also für einen Siegeszug des E-Mountainbikes?
Das E-MTB wird an Bedeutung gewinnen. Es wird manchem langjährgen Mountainbiker wieder einen neuen Kick verschaffen. Und der E-Antrieb wird neue Zielgruppem aufs Bike bringen. Menschen, denen eine ausgewachsene Biketour bislang zu anstrengend war. Man überlege sich mal: Die können jetzt am Feierabend noch schnell 1000 Höhenmeter auf eine Hütte hochfahren, in Ruhe ihr Bierchen trinken und sind doch vor Sonnenuntergang wieder zurück. Mit einem normalen MTB ist das für viele Menschen ein halbes Tageswerk. Am Ende ist das Pro und Contra aber für viele keine pragmatische, sondern eine philosophische Frage: Das Mountainbike hat etwas Pures, Archaisches. Für viele zählt auch in Zukunft nur dieses unverfälschte Gefühl. Und es kann ja wirklich etwas Befriedigendes, fast schon Meditatives haben, mit reiner Muskelkraft zwei Stunden lang einen Berg hoch zu mahlen, da oben die Brotzeit auszupacken, in die Berge zu gucken, stolz auf die eigene Leistung zu sein und sich auf die Abfahrt zu freuen. Es muss nicht immer um das „höher, weiter, schneller“ gehen.

In Ihrer Brust schlagen also zwei Herzen?
Absolut. Trotzdem glaube ich: Viele überdenken jetzt schon die Anschaffung eines neuen Mountainbikes und fragen sich: Soll ich vielleicht direkt in ein E-MTB investieren? Langfristig spielt da sicher auch die Psyche eine Rolle. Wenn man als Mountainbiker bergauf immer öfter von E-Mountainbikern überholt wird und dann bergab auch nicht unbedingt schneller ist, wird das manchem vielleicht aufs Gemüt schlagen.

Wie stark geht diese Kannibalisierung auf Kosten des Mountainbikes?
Fürs klassische Mountainbike sehe ich im Moment nicht das allerbeste Konsumklima. Das E-MTB ist da aber nur einer von vielen Gründen. Die Bikes sind teuerer geworden, zudem verunsichern die technischen Entwicklungen der letzten zwei Jahre eher, als dass sie den Verkauf ankurbeln würden: die Laufradgrößen, die Plus-Größen und neue Standards wie Boost – damit hat sich die Branche in der Summe keinen Gefallen getan. Ich will nicht schwarzmalen, aber es würde mich wundern, wenn sich das nicht in einer gewissen Kaufzurückhaltung zeigen würde.

Aber das betrifft doch alle, auch die E-Mountainbiker!
Beim E-Mountainbike wird momentan nicht so sehr auf den Preis geschaut. Jedem ist klar, dass man für den Einstieg tief in die Tasche greifen muss. Aber vor allem ist der Preisvergleich nicht so transparent. Jeder halbwegs Informierte weiß, dass er für die meisten 2016er Mountainbikes deutlich mehr bezahlen muss als für das identische Vorjahresmodell. Beim E-Mountainbike fehlt die Preis-Historie, da sich die Modelle fundamental verändern und damit im Preis nicht vergleichbar sind.

Wie wird sich der Markt für E-Mountainbikes entwickeln?
Fürs E-Mountainbike sehe ich im Moment eine stark wachsende Nachfrage – natürlich vor allem unter der kaufkräftigen Klientel. Das wird sich meiner Einschätzung nach sehr dynamisch über die nächsten Jahre entwickeln – vorausgesetzt, es kommt nicht zu Einschränkungen, was die Nutzung angeht.

Was fahren Sie selber am liebsten – Mountainbike oder E-Mountainbike?
Na ja, als Chefredakteur von Bike und EMTB habe ich Zugriff auf viele unterschiedliche Bikes. Das Angebot nehme ich gerne an. Hier mal ein Enduro, da mal ein All Mountain, übermorgen ein E-Mountainbike. Nicht das Angebot ist begrenzt, nur die Freizeit.

Vielen Dank, Herr Welz!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0