Als Enduro-Enthusiast war mein Interesse am neuen Thok TK02 S groß – vor allem, weil Thok endlich auf einen Bosch-Antrieb setzt, der im Gelände seinen hervorragenden Ruf hat. Das Bike macht schon beim ersten Blick klar: Hier steht ein kompromissloses Enduro-E-Bike, das für schwere Trails, ruppige Abfahrten und anspruchsvolle Allround-Tage entwickelt wurde.
Italienisches Design mit Premium-Komponenten
Das Thok TK02 S ist technisch klar auf kompromisslosen Enduro-Einsatz ausgelegt. Herzstück ist der neu verbaute Bosch Performance Line CX der neuesten Generation, der mit seiner kraftvollen und gleichzeitig sehr fein dosierbaren Unterstützung überzeugt. In Kombination mit dem großzügigen 800-Wh-PowerTube-Akku bietet das Bike nicht nur ordentlich Druck an steilen Rampen, sondern auch genug Reichweite für lange, höhenmeterreiche Touren. Gerade im Vergleich zum Vorgänger merkt man, dass der Wechsel auf Bosch ein klarer Schritt in Richtung mehr Power und Konstanz ist.
Der Aluminiumrahmen aus 6061-Legierung wurde speziell für harte Einsätze entwickelt und bietet 170 mm Federweg an Front und Heck. Vorne arbeitet eine Fox 38-Gabel, die selbst bei hohen Geschwindigkeiten und grobem Terrain enorm viel Stabilität vermittelt. Am Heck sorgt ein Fox Float X-Dämpfer für sensibles Ansprechverhalten und ausreichend Gegenhalt, wenn es richtig schnell oder technisch wird. Das Zusammenspiel aus Rahmen und Fahrwerk wirkt sehr harmonisch und klar auf Abfahrts-Performance ausgelegt.
Geschaltet wird mit einer SRAM Eagle T-Type 70, die präzise und zuverlässig arbeitet – auch unter Last. Verzögert wird mit Magura MT5-Vierkolbenbremsen und großen 203-mm-Scheiben, die in steilen Abfahrten jederzeit genug Reserven liefern. Das müssen Sie auch, denn das TK02-S ist mit 25,6 Kg kein Leichtgewicht. Das Mullet-Setup mit 29-Zoll-Vorderrad und 27,5-Zoll-Hinterrad unterstreicht den Enduro-Charakter zusätzlich: vorne viel Laufruhe und Sicherheit, hinten Agilität und Kontrolle in engen Kurven.
Die moderne Geometrie mit flachem Lenkwinkel und steilem Sitzwinkel sorgt für ein sehr zentriertes Fahrgefühl. Abgerundet wird das Setup durch das Bosch Purion 200 Display, das zwar funktional ist, optisch und vom Informationsumfang her aber eher schlicht ausfällt und nicht ganz zum High-End-Anspruch des Bikes passt.
Bergauf – Souverän und kraftvoll
Beim Anstieg zeigt sich der Bosch-Motor von seiner starken Seite: Bereits in niedrigen Unterstützungsstufen fühlt sich der Antritt kräftig und natürlich an, ohne „kunstvoll“ oder unruhig zu wirken.
Dank des steilen Sitzwinkels bekommst du ordentlich Druck auf das Hinterrad, was besonders auf wurzeligen, technischen Rampen für Traktion sorgt. Hier wirkt das Bike keineswegs schwerfällig, sondern verhält sich agil und kontrolliert. Die Leistung und Reichweite des 800 Wh-Akkus geben mir auf langen Tagestouren echtes Vertrauen.
Bergab – Stabilität trifft Komfort
Auf schnellen, verblockten Abfahrten fühlt sich das TK02 S wie zuhause: Die Mullet-Laufrad-Konfiguration sorgt für ein lenkpräzises Vorderrad, das Vertrauen bei hoher Geschwindigkeit vermittelt, während das kleinere Hinterrad die Agilität in engen Kurven steigert.
Das Fox-Fahrwerk schluckt große Schläge souverän und spielt seine 170 mm Federweg voll aus. In Kombination mit der stabilen Rahmenkonstruktion fühlt sich das Bike sehr ausbalanciert an – satt und sattelzentriert, auch wenn es ruppig zur Sache geht. Das hohe Gewicht des Bikes fällt dabei kaum auf.
Das Fahrwerk arbeitet auf der „satten“ Seite: Das bedeutet, dass es Komfort und Traktion in rauem Gelände liefert, aber eher nicht so direkt und knallhart reagiert wie ein Race-Setup. Für mich ist das genau der richtige Mittelweg: entschlossen im Downhill, aber nicht brutal nervös oder überaktiv.
Alltagstauglich trotz Enduro-Performance
Im Fahrbetrieb überzeugt das Thok TK02 S vor allem durch seine sehr ausgewogene Balance und hohe Kontrolle. Die Gewichtsverteilung wirkt nahezu ideal, sodass das Bike jederzeit klares Feedback liefert, ohne den Fahrer zu überfordern. Sowohl in langsamen, technischen Passagen als auch bei höherem Tempo bleibt das Handling berechenbar und vertrauenerweckend. Bergauf präsentiert sich das Bike kraftvoll und direkt, unterstützt durch den souveränen Bosch-Antrieb und die zentrale Sitzposition. Bergab dagegen liegt das TK02 S satt auf dem Trail, vermittelt viel Stabilität und lädt dazu ein, auch anspruchsvolle Linien konsequent zu fahren. Insgesamt ergibt sich aus Motor, Geometrie und Fahrwerk ein sehr stimmiges Gesamtpaket, das klar auf anspruchsvolle Trails ausgelegt ist. Besonders wohl fühlt sich das Bike auf technischen Abfahrten, steilen Singletrails und bei längeren, höhenmeterreichen Tagestouren – der Fokus liegt eindeutig auf maximaler Performance abseits einfacher Forstwege.
Stärken
- Sehr stabiles Fahrwerk mit großer Federwegsreserven.
- Kraftvoller Bosch-Motor und große Akku-Kapazität für lange Touren.
- Ausgewogene Geometrie für kontrolliertes, selbstbewusstes Fahren.
- Premium-Komponenten mit Platz für Weiterentwicklung
Schwächen
- Relativ hohes Gesamtgewicht.
- Purion-Display etwas klein und nicht optimal abzulesen im Trail.
- Für den Speed-Race-Enduro-Einsatz könnte das Fahrwerk noch etwas straffer abgestimmt sein – das braucht persönliche Tuning-Einstellung.
Ein kompromissloses E-Enduro
Das Thok TK02 S ist für mich ein verlässlicher, ernstzunehmender Enduro-Bolide, der auf anspruchsvollen Trails seine Stärke zeigt und bergauf wie bergab mit viel Vertrauen und Performance überzeugt.
Es ist kein Allround-Tourer, sondern ein echtes Trail- und Enduro-Werkzeug– perfekt für Fahrer, die nicht nur flowige Forstwege lieben, sondern technische Challenges und ruppige Passagen mit Drive meistern wollen. Das hohe Gewicht ist auf dem Trail für mich weniger Spürbar, als man es erwarten würde.
Für mich bedeutet das: Ein Bike, das ich gerne auf meine härtesten Touren mitnehmen würde – wenn du viel Power, Stabilität und Kontrolle suchst, ist das TK02 S ein sehr überzeugendes Paket.
Redakteur und Tester : Fabian Bodem









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