Meridas neues Scultura: Leichter, aerodynamischer und komfortabler


Der Feind des Guten ist das Bessere: Nach dieser Devise machten sich Meridas R&D-Leiter Jürgen Falke und sein Team an die Entwicklung der vierten Generation des Rennrad-Modells Scultura. Als leichtester Rahmen im Sortiment von Merida war dieser schon bisher wie gemacht für lange, harte Anstiege. Aber ausgiebige Windkanal-Tests der deutschen Zeitschrift Tour zeigten, dass bei der Aerodynamik des Scultura noch einiges an Verbesserungspotenzial vorhanden war. Dies war denn auch die Vorgabe für den neuen Rahmen: Er sollte nochmals etwas leichter und vor allem windschlüpfriger werden.


Ein weiteres erklärtes Ziel lautete, die vertikale Nachgiebigkeit des Hinterbaus nochmals zu vergrößern. Das Resultat all dieser Anstrengungen kann sich sehen lassen. Es beginnt mit dem Rahmengewicht: Für die Team-Edition CF4 beträgt es in Rahmenhöhe 52 cm (ingesamt bietet Merida sieben Rahmengrößen zwischen 44 und 59 cm an) gerade einmal 750 Gramm. Zudem bietet Merida eine nochmals leichtere, aber auch weniger verwindungssteife CF5-Variante, die gerade einmal 680 Gramm auf die Waage bringt.

Rekordverdächtiges Leichtgewicht
Zusammen mit der ebenfalls neu konstruierten Gabel ergibt dies rund 1000 Gramm für die Team-Edition – ein Spitzenwert für einen industriell gefertigten Carbon-Rahmensatz. Um diesen Wert zu erreichen, hat Meridas Entwicklungs-Team rund um Jürgen Falke nichts unversucht gelassen. So wurden die Wandstärken des CF4-Carbonrahmens auf bis zu 0.7 Millimeter reduziert. Bei der nochmals leichteren CF5-Variante beträgt die Wandstärke am Oberrohr gar nur 0.4 Millimeter. Dass beim Scultura nur hochwertigste Kohlefasern mit Nanopartikel-Harz verbaut werden, versteht sich angesichts des Premium-Anspruchs dieses Modells von selbst. Insgesamt besteht der Rahmen aus über 400 einzelnen Carbon-Prepreg-Matten. Kompletträder mit den Top-Gruppen von Sram und Shimano wiegen zwischen 5.5 und 6.6 Kilogramm. Mit einem Sram RED-Antrieb, Skyline-Laufrädern von Tune, einer Kurbel und Anbauteilen von AX Lightness sowie der leichteren CF5-Ausführung des Rahmens bringt das neue Scultura 9000 LTD gar nur 4.55 Kilogramm (ohne Pedale) auf die Waage – ein rekordverdächtiger Wert!
 



Dem Wind ein Schnippchen schlagen
Bei der Optimierung der Aerodynamik standen der Zeitfahr-Bolide Warp TT und der Aero-Renner Reacto Evo Pate: Wie bei diesen, setzt das Entwicklungs-Team von Jürgen Falke auch beim neuen Scultura auf die NACA Fastback-Technologie. Um Material und damit Gewicht zu sparen, wurde am Unter- und am Sitzrohr sowie an Gabelscheiden, Steuerrohr und Sitzstreben ein nochmals größerer Teil des Flügelprofils weggelassen. In Fahrtrichtung weisen diese Rohre einen runden Querschnitt auf, auf der gegenüberliegenden Seite sind die flach. Dies reduziert die Turbulenzen bereits markant. Zudem wurde der Durchmesser des unteren Steuerlagers von 1.5 auf 1.25 Zoll reduziert, um die Stirnfläche zu verringern. Die Brems- und Schaltzüge beziehungsweise die Di2-Kabel verlaufen zudem sauber im Innern des Rahmens. Und die Directmount-Hinterradbremse rückt am neuen Scultura von den Sitzstreben unters Tretlager, um die Windschlüpfrigkeit weiter zu optimieren.
 


Komfort kommt nicht zu kurz
Diese Maßnahme erlaubt es auch, auf einen Steg zwischen den Sitzstreben zu verzichten. Dadurch können diese in vertikaler Richtung nochmals stärker nachgeben. Eine in die Konstruktion integrierte Schicht Flachs hilft dem Hinterbau und der Gabel, Schwingungen zu absorbieren. Zusammen mit der Sattelstütze, die einen Durchmesser von nur 27.2 Millimeter aufweist, erhöht dies die vertikale Nachgiebigkeit des neuen Scultura. Das bedeutet, dass man auf schlechten Straßenbelägen weniger ermüdet und kontrollierter unterwegs ist – und in den Genuss von mehr Komfort kommt. Zudem bietet der Rahmen nun genügend Platz für Reifen mit 25 Millimeter Breite. Dennoch sind die Kettenstreben mit 400 Millimeter ausgesprochen kurz, was dem Scultura zu einem agilen Handling verhilft. Vertreter internationaler Medien bekamen in Ligurien Gelegenheit, dem Scultura auf kurvigen Abfahrten mit vielen Schlaglöchern und schlechtem Straßenbelag auf den Zahn zu fühlen.




Sitzposition länger und tiefer
Auf Wunsch des Teams Lampre-Merida fällt die Geometrie der vierten Scultura-Generation ausgesprochen sportlich aus: Verglichen mit dem Vorgänger wurde der Stack verringert und der Reach leicht erhöht. Der neue Rahmen baut also länger und tiefer. Um die Kraft ohne Verluste auf die Kette zu bekommen, verbaut Merida ein BB386-Tretlagergehäuse. Dieses ist mit fast allen Typen von Innenlagern und Kurbeln kompatibel und bietet zudem ein breites Fundament für das Unterrohr und die Kettenstreben. Mit 60N/mm kann sich die Steifigkeit des Tretlagerbereichs absolut sehen lassen. Auch im Lenkkopf-Bereich ist das neue Scultura mit 92N/mm mehr als ausreichend steif. Unterm Strich ergibt dies einen hervorragenden STW-Wert. Dass sich die Arbeit von Meridas Entwicklungsteam gelohnt hat, zeigt das Feedback der Fachpresse: 62 Journalisten von vier Kontinenten testeten das neue Scultura in Ligurien ausführlich, und die Reaktionen waren durch die Bank ausgesprochen positiv. 
 
Mit dem neuen Scultura bekommt das Team Lampre-Merida ein zusätzliches Arbeitsgerät gestellt, das die Lücke zwischen dem Komfort-Renner Ride Pro und dem Aero-Renner Reacto Evo füllt und sich mit den besten Produkten am Markt auf Augenhöhe befindet. Erste Einsätze sah das neue Rennrad bereits bei den Ardennen-Klassikern Amstel Gold Race und Lüttich-Bastogne-Lüttich. Merida ist zuversichtlich, dass sich auch mit dem Scultura Etappenrennen gewinnen lassen. Dies gelang dem Team Lampre-Merida zuvor bereits mit dem Reacto (Rui Costa bei der Tour de Suisse 2014) und dem Ride Pro (Kristijan Durasek bei der Türkei-Rundfahrt 2015).


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