Zulässiges Bremsgewicht von E-Lastenrädern

Bei der Auswahl eines E-Bikes stehen oft das Motorsystem und die Akkukapazität im Fokus der Interessenten. Drehmoment und Reichweite sind mittlerweile wichtigste Verkaufsargumente. Auch die Schaltung spielt eine Rolle: Kettenschaltung, Nabenschaltung oder eine Kombination aus Motor und Getriebe? Die Bremsen hingegen werden häufig nur am Rande erwähnt, obwohl sie zu den sicherheitsrelevantesten Komponenten eines E-Bikes gehören. Dabei ist es selbstverständlich, dass die Bremsen zuverlässig funktionieren müssen. Doch je nach Anwendungsbereich, Gesamtmasse und Fahrverhalten gibt es große Unterschiede.

Allgemeine Anforderungen und Motivation

Die Bremsanlage eines Pedelecs muss grundsätzlich alle relevanten Punkte der DIN 79010 erfüllen. Für ein einspuriges E-Lastenrad beträgt die zulässige Gesamtmasse 250 kg, für ein mehrspuriges 300 kg. Dies deckt bereits ein breites Spektrum an Anforderungen ab, jedoch muss genau darauf geachtet werden, was tatsächlich freigegeben ist. Einer der wichtigsten Parameter ist das zulässige Bremsgewicht. Viele renommierte Bremsenhersteller geben in ihrer Konformitätserklärung das Bremssystem zunächst nur für eine zulässige Gesamtmasse von 120 kg frei. Dies entspricht jedoch nicht den realen Anforderungen, da viele E-Lastenräder bereits eine Eigenmasse von ca. 40 kg haben. Damit bleibt nur eine Reserve von 80 kg für Fahrer und Gepäck.

 

Das Durchschnittsgewicht eines deutschen Mannes im Alter zwischen 40 und 60 Jahren liegt in der Regel zwischen 80 und 100 Kilogramm, kann jedoch je nach individuellen Faktoren wie Größe, Muskelmasse und Gesundheitszustand variieren. Hinzu kommen noch der Kindertransport und etwas Ausrüstung und Gepäck, sodass das Gesamtgewicht schnell bei 180-200 kg liegt. Bei Personen mit überdurchschnittlichem Gewicht kann die Gesamtmasse sogar höher sein. Die Bremsanlage hat hier viel zu tun, egal ob bei langen Abfahrten, im Stop-and-Go-Verkehr oder bei verschiedenen Witterungseinflüssen.

 

Bremsprüfung (trocken und nass)

Eine der wenigen vorgeschriebenen Tests aus der DIN 79010 bezieht sich explizit auf die zulässige Gesamtmasse. Dies ist sinnvoll, da die Bremskraft direkt proportional zur zulässigen Gesamtmasse steigen muss. Bei diesem Test werden die Bremskräfte in Abhängigkeit der Handkraft gemessen. Diese Messprozedur ist sehr anspruchsvoll und zeigt mögliche Schwächen der Bremsanlage, insbesondere in Bezug auf die thermische Standfestigkeit und bei Nässe, schnell auf. Ein Test auf dem Bremsenprüfstand ist sicherer und reproduzierbarer als eine einfache Stoppbremsung im Außenversuch.

 

Wärmestandfestigkeit

Die thermische Standfestigkeit ist gerade im bergigen Gelände wichtig. Spätestens auf den großen Straßen der Alpen ist neben der Bremskraft auch die dauerhafte Temperaturbeständigkeit der Anlage von Bedeutung. Ein solcher Test kann nur auf einem Prüfstand mit entsprechender Sicherheit und Wiederholgenauigkeit durchgeführt werden. Interessanterweise haben Bremsanlagen oft den eigentlichen Versuch der Wärmestandfestigkeit bestanden, aber die tribologischen Eigenschaften haben sich dabei so stark verändert, dass die Bremskraft auch nach Abkühlung deutlich schlechter war als zuvor. Teilweise war die Bremskraft sogar so schwach, dass auch bei einer kurzen Außenbremsung keine zufriedenstellenden Anhaltewege mehr erreicht werden konnten.

 

Dauerstandfestigkeit

Dieser Punkt sollte dringend wieder in die DIN 79010 aufgenommen werden. Die zuvor beschriebenen Tests bilden keinen realistischen Lebenszyklus einer Bremsanlage

 

Umweltprüfungen

Hierbei handelt es sich momentan noch um ein neu zu betretendem Prüffeld – im gesamten Pedelec-

Segment und nicht nur bei den Bremsen:

  • Wie verhält sich die Bremsanlage bei langzeitiger Einwirkung von UV-Strahlung?
  • Wie verhält sich die Bremsanlage bei starker Temperaturschwankung und häufigem Wasserkontakt?
  • Wie verhält sich die Bremsanlage bei Frost?
  • Wie verhält sich die Bremsanlage bei Kontakt mit Salzwasser im Winter?

 

Fragen, die zukünftig durch umfangreiche Prüfungen dringend beantwortet werden müssen.

So hat sich beispielsweise an einem Testrad nach 3-monatiger Nutzung im Winter ein schweres Defizit

gezeigt: Der Bremsbelag hat sich auf 3 von 4 Pads von der Trägerplatte komplett abgelöst und ist

zerbrochen!

 

Quelle www.velotech.de