HighTech aus Cottbus für die Paralympics in Paris

Der Prototyp Nr. 3 zeigt das Grundmodell des Lenkers mit Anpassungen in Form und Höhe, Foto: COLab/ Kenneth Marter
Der Prototyp Nr. 3 zeigt das Grundmodell des Lenkers mit Anpassungen in Form und Höhe, Foto: COLab/ Kenneth Marter

Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse finden sich in den vielfältigsten Bereichen unseres Lebens. Vieles ist ohne sie nicht mehr vorstellbar. Was Leichtbau mit Radsport und den Paralympics in Paris zu tun hat, zeigt ein Projekt an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU).

Der Cottbuser Maximilian Jäger ist Paracycler und mehrfacher Medaillengewinner. Jetzt ist der 24-Jährige Mitglied im Team Deutschland für die Paralympics 2024 in Paris. Seine Chance für eine Teilnahme an den begehrten Paralympischen Spielen stehen sehr gut – und so trainiert er hart und nutzt seine Möglichkeiten für Höchstleistungen und eine optimale Vorbereitung. Unterstützt wird er von Frederik Hähnel, Lehrertrainer Para Radsport vom Behinderten-Sportverband Brandenburg e.V.

(v.l.n.r.) Frederik Hähnel (Lehrertrainer Para-Radsport), Eyke Heinze (Werkstattleiter des COLab), Oliver Dorn (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Polymerbasierter Leichtbau) mit Paracycler Maximilian Jäger (vorn Mitte) © COLab/ Kenneth Marter
(v.l.n.r.) Frederik Hähnel (Lehrertrainer Para-Radsport), Eyke Heinze (Werkstattleiter des COLab), Oliver Dorn (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Polymerbasierter Leichtbau) mit Paracycler Maximilian Jäger (vorn Mitte) © COLab/ Kenneth Marter

Frederik Hähnel hatte auch die Idee für eine Optimierung des Lenkers für den Radsportler und wandte sich damit an das CreativeOpenLab (COLab) an der BTU Cottbus-Senftenberg. Er sagt dazu: „Was wir brauchten, war ein individueller, auf Position und Körperhaltung von Maximilian angepassten Rennradlenker, der möglichst leicht und dennoch sicher und stabil ist. Nur so haben wir die Chance, das Potenzial unseres Ausnahmesportlers bestmöglich zu nutzen. Darüber hinaus war es uns wichtig, dass Maximilian gut damit zurechtkommt. So etwas bekommt man nicht „von der Stange“. Dafür ist Know-how und Entwicklungsarbeit notwendig – wir hatten gehofft, dass das COLab uns hierbei unterstützen könnte.“

 

Das COLab, der Makerspace am Zentralcampus der BTU Cottbus-Senftenberg, agiert nicht allein als Vermittler zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Start-ups und gesellschaftlichen Einrichtungen, sondern stärkt insbesondere auch aktiv die Lausitzer Gemeinschaft. Der Maschinenpark steht Forschern und Start-ups zur Verfügung und bietet allen Lausitzern und Lausitzerinnen einen einfachen Zugang zu moderner Technik und Know-how. Das COLab-Team versteht sich als Inkubator für innovative und individuelle Projekte, die gemeinsam mit der regionalen Bevölkerung umgesetzt werden. In diesem Kontext betont der hauptberufliche Vizepräsident für Forschung und Transfer und strategischer Projektleiter des COLab Prof. Dr.-Ing. habil. Michael Hübner: „Der Wissenstransfer ist für uns mehr als nur Vermittlung. Es geht darum, den Weg von der Idee zur sinnvollen Lösung zu begleiten, Potenziale der angewandten Forschung breiter zu nutzen und eine Plattform zu schaffen, auf der jeder kreative Kopf seine Ideen verwirklichen kann. Wir möchten nicht nur vernetzen, sondern aktiv gestalten und die technologische Vielfalt für alle erlebbar machen.“

 

Prof. Dr.-Ing. Holger Seidlitz, der das Projekt mit seiner Professur Polymerbasierter Leichtbau und der Projektgruppe ZenaLeb (Zentrum für nachhaltige Leichtbautechnologien) des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP von wissenschaftlicher Seite begleitete, freut sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit: „Der optimal angepasste Fahrradlenker ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was heute im Leichtbau möglich ist. Er ist das Ergebnis einer intensiven querschnittsübergreifenden Zusammenarbeit: Angefangen bei den sportphysiologischen Untersuchungen, der darauf aufbauenden Konstruktion und Auslegung des Leichtbaulenkers bis hin zur Fertigung der komplexen Geometrie inklusive des zerlegbaren Werkzeugkonzeptes mit anschließender Erprobung. Das Projekt zeigt aber auch, dass unterschiedliche Perspektiven und Herangehensweisen zu mehr Kreativität und ungewöhnlichen Lösungen führen können. Die gemeinsame Entwicklungsarbeit und Kooperation unterstreicht einmal mehr den Transfergedanken, der an der BTU in einem konstruktiven Miteinander gelebt wird“.

Maximilian Jäger auf dem Trainingsrad mit dem für ihn individuell entwickelten Lenker, der ihm eine optimale Körperhaltung ermöglicht, Foto: COLab/ Kenneth Marter
Maximilian Jäger auf dem Trainingsrad mit dem für ihn individuell entwickelten Lenker, der ihm eine optimale Körperhaltung ermöglicht, Foto: COLab/ Kenneth Marter

Der für die besonderen Anforderungen konzipierte Lenker markiert nicht nur einen Meilenstein im Para-Radsport, sondern auch einen bedeutenden Fortschritt in der individuellen Sportausrüstung. Er entstand in verschiedenen Entwicklungsphasen und zahlreichen Tests, die eine enge und konstruktive Abstimmung zwischen den Partnern erforderte. Nur so konnte es gelingen, dass wissenschaftliches, praxisorientiertes Know-how in Kombination mit konkreten, sportlichen Anforderungen zu dem erfolgreichen, sehr individuellen und zugleich zukunftsweisenden Ergebnis führen, das neue Perspektiven für den Radsport aufgezeigt. Der Sportlenker entspricht den für den Para-Radsport (UCI) vorgegebenen Normen, wofür eine entsprechende Zulassung derzeit über die berechtigten, unabhängigen Prüfstellen in Australien und der Schweiz veranlasst wird.

 

www.b-tu.de